Scherfestigkeit

Scherfestigkeit bezeichnet im Kontext von Haftklebstoffen die auf Kohäsion beruhende innere Festigkeit einer Klebstoffmasse – also ihre Fähigkeit, einer Kraft zu widerstehen, die parallel zur Klebefläche wirkt und ein Verschieben oder Abrutschen der Klebstoffschicht bewirken würde. Einfach ausgedrückt: Ein Klebstoff mit hoher Scherfestigkeit kriecht oder fließt unter seitlicher Belastung nicht weg, sondern hält seine Position. Die Scherfestigkeit ist damit eine zeit- und kraftabhängige Kenngröße, die unmittelbar aus der inneren Bindekraft des Klebstoffs resultiert.

Gemessen wird Scherfestigkeit in der Praxis über ein standardisiertes Verfahren: Ein Klebestreifen wird auf eine Platte aus rostfreiem Stahl aufgebracht, und am freien Ende hängt ein definiertes Gewicht. Die Zeit, die vergeht, bis der Streifen abgleitet, ergibt den Messwert – Scherfestigkeit wird also in Zeiteinheiten angegeben, nicht in Krafteinheiten. Klebstoffe mit geringer Scherfestigkeit sind weicher und neigen stärker zum Fließen, während Klebstoffe mit hoher Scherfestigkeit eine größere Formstabilität unter dauerhafter Belastung zeigen.

Für den Etikettendruck ist Scherfestigkeit eine der zentralen Kenngrößen bei der Auswahl und Spezifikation von Haftklebstoffen (Pressure Sensitive Adhesives, PSA). Selbstklebende Etiketten bestehen aus Obermaterial, Klebstoffschicht und Trägermaterial – die Scherfestigkeit betrifft dabei ausschließlich die Klebstoffschicht und deren Kohäsion. In der Anwendungspraxis ist diese Eigenschaft immer dann entscheidend, wenn Etiketten nach der Applikation dauerhaft einer Scherbelastung ausgesetzt sind: etwa bei Etiketten auf vertikalen Flächen, hängenden Gebinden oder auf Substraten mit kleinen Umfangsradien, bei denen die Klebstoffschicht unter Spannung steht und nicht kriechen darf. Auch Acrylat-Klebstoffe, die auf Substraten mit geringer Oberflächenenergie eingesetzt werden, werden gezielt mit dem Merkmal hohe Scherfestigkeit spezifiziert, da diese Untergründe die Haftung grundsätzlich erschweren.

Für Etikettenhersteller bedeutet die Kenntnis der Scherfestigkeit, dass sie Klebstoffe zielgerichtet nach dem Anforderungsprofil der jeweiligen Anwendung auswählen können. Für Käufer und Anwender von Etiketten liefert sie Aussagen über die Positionsstabilität und Langlebigkeit des Etiketts unter Belastung. In Kombination mit anderen Klebstoffkennwerten wie Schälhaftung und Tack ergibt sich so ein vollständiges Bild der Haftleistung – Scherfestigkeit allein beschreibt nicht die Gesamthaftung, sondern spezifisch das Verhalten unter der für viele Praxisanwendungen kritischen Scherbelastung.