Ein IT8-Testchart (auch ECI-Target) ist eine normierte Farbfeldtafel, die zur Charakterisierung und Profilierung von Drucksystemen dient. Die verschiedenen Varianten – darunter IT8.7/3 und das weiterentwickelte IT8.7/4 – sind in den ANSI-Standards der CGATS sowie in ISO 12642 definiert und bilden die Grundlage für die Erstellung geräte- und prozessspezifischer ICC-Profile für CMYK-Druckprozesse.
Das Chart besteht aus einer exakt festgelegten Anzahl von Farb- und Graufeldern – das ISO-12642-Chart (IT8.7/3) umfasst 928 Felder, das erweiterte ECI-2002-Chart 1485 Felder. Jedes Chart wird mit einer Referenzdatei ausgeliefert, die die Soll-Werte aller Felder als exakte Lab-Werte enthält. In der Praxis wird das Testchart zunächst auf der zu charakterisierenden Druckmaschine im definierten Standardzustand gedruckt. Anschließend vermisst ein Spektralphotometer – etwa ein X-Rite i1 oder ein automatischer iO-Messtisch – alle Farbfelder. Die Profilierungssoftware vergleicht die gemessenen Ist-Werte mit den gespeicherten Soll-Werten und berechnet daraus ein ICC-Ausgabeprofil, das den Farbumfang und das Farbverhalten des konkreten Druckprozesses numerisch beschreibt.
Für den Etikettendruck ist dieser Ansatz aus mehreren Gründen direkt relevant. Etiketten entstehen auf sehr unterschiedlichen Substraten – Haftpapier, transparente oder weiße Folien, Spezialmaterialien – und werden mit unterschiedlichen Verfahren produziert, darunter UV-Flexo, UV-Inkjet und Toner. Da jede Kombination aus Maschine, Substrat und Farbe ein eigenes Farbverhalten zeigt, muss das IT8-Testchart auf dem tatsächlich verwendeten Etikettenmaterial unter Produktionsbedingungen gedruckt und vermessen werden. Das daraus resultierende ICC-Profil wird anschließend im RIP oder Workflow-System des Etikettendruckers eingesetzt, um Layoutdaten farbverbindlich in den Gerätefarbraum umzurechnen. Im Flexodruck, der im Etiketten- und Verpackungsdruck weit verbreitet ist, werden die Messdaten des Testcharts häufig zusätzlich geglättet und optimiert, um verfahrenstypisches Rauschen und Ungleichmäßigkeiten in den Daten auszugleichen, bevor das Profil berechnet wird.
Für Etikettenhersteller bedeutet eine IT8-basierte Profilierung in der Praxis: stabilere und vorhersagbarere Farbergebnisse über die gesamte Produktion, bessere Übereinstimmung zwischen Digitalproof und gedruckter Auflage sowie weniger Makulatur durch reduzierte Einrichtekorrekturen. Markenfarben, Produktbilder und Barcodes auf Etiketten lassen sich so reproduzierbar innerhalb definierter Toleranzen produzieren. Die European Color Initiative (ECI) stellt auf ISO 12642 basierende Charakterisierungsdaten und Testcharts bereit, die als branchenweiter Standard für CMYK-Druckprofile in der grafischen Industrie – und damit auch im Etikettendruck – anerkannt sind.