Spektrophotometer (Spektralphotometer)

Ein Spektrophotometer (auch Spektralphotometer) ist ein präzises Farbmessgerät, das die Intensität von Licht in Abhängigkeit von seiner Wellenlänge im sichtbaren Spektrum erfasst. Es richtet ein definiertes Licht auf ein Substrat – etwa ein bedrucktes Etikett – und misst das reflektierte oder transmittierte Licht spektral aufgelöst. Das Ergebnis ist eine vollständige spektrale Messkurve, die deutlich mehr Farbinformation liefert als einfachere Colorimeter, welche lediglich tristimulusbasierte Farbwerte ausgeben.

Technisch besteht ein Spektrophotometer aus einer eigenen Lichtquelle, einer Optik zur spektralen Aufspaltung des Lichts sowie einem Sensor, der für jede Wellenlänge individuelle Messwerte liefert. Im Farbmanagement-Workflow des Etikettendrucks wird das Gerät typischerweise an eine Farbmanagement-Software oder ein RIP-System angebunden. Damit lassen sich drei zentrale Aufgaben erfüllen: erstens die Kalibrierung des Druckers durch Messung von Testcharts auf dem jeweiligen Etikettenmaterial, zweitens die Linearisierung von Digitaldrucksystemen durch Anpassung der Tintenkennlinie anhand gemessener Farbfelder, und drittens die Erstellung geräte- und substratspezifischer ICC-Profile auf Basis von hunderten bis tausenden gemessener Farbfelder. Maßgebliche Messnorm für diesen Einsatzbereich ist ISO 13655, die Messbedingungen für spektrale Messungen im grafischen Gewerbe definiert und auf die aktuelle Spektrophotometer im Druckbereich ausgelegt sind.

Für den Etikettendruck ist das Spektrophotometer aus mehreren Gründen unverzichtbar. Etiketten werden auf sehr unterschiedlichen Substraten produziert – beschichtetem und unbeschichtetem Papier, Kunststofffolien für Haftetiketten oder Shrink Sleeves, Karton sowie Aluminium- oder Glasverpackungen –, und jedes Material beeinflusst die Farbwiedergabe anders. Nur durch spektrale Messung lassen sich für diese Kombinationen aus Drucker, Tinte und Substrat verlässliche ICC-Profile erstellen, die eine farbverbindliche Produktion erst ermöglichen. Im laufenden Druckbetrieb erlaubt das Gerät den kontinuierlichen Soll-Ist-Vergleich mit hinterlegten Farbrezepten, sodass Farbabweichungen zwischen Chargen, Maschinen oder Produktionsstandorten frühzeitig erkannt und korrigiert werden. Für Etikettenhersteller bedeutet das konkret: weniger Ausschuss, kürzere Einrichtzeiten und eine nachweisbar höhere Markenfarbtreue gegenüber ihren Auftraggebern. Für Käufer von Etiketten – also Markeninhaber und Industrieanwender – ergibt sich daraus ein einheitlicheres Erscheinungsbild im Regal sowie eine objektive Messdatenbasis für Qualitätsberichte, Reklamationsmanagement und Lieferantenaudits. Spektrophotometer sind damit kein optionales Hilfsmittel, sondern das primäre Messwerkzeug jedes standardisierten Farbmanagement-Workflows im professionellen Etiketten- und Verpackungsdruck.