Der RGB-Farbraum ist ein additiver Farbraum, in dem Farben durch das Mischen der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau erzeugt werden. Er basiert auf der Dreifarbentheorie des menschlichen Farbsehens und beschreibt jede Farbe über drei Koordinaten – den jeweiligen Rot-, Grün- und Blauanteil. Ein standardisierter RGB-Farbraum wie sRGB legt dabei neben den Primärfarben auch den Weißpunkt und die Transferfunktion (Gamma) fest, wodurch eine eindeutige Zuordnung zu messbaren Farbwerten nach CIE L*a*b* möglich ist.
In der Praxis arbeiten nahezu alle bildgebenden und bilddarstellenden Geräte nativ im RGB-Farbraum: Digitalkameras und Scanner erfassen Bilddaten in RGB, Monitore, Smartphones und Bildschirme geben RGB-Farbwerte direkt aus. Bei 8 Bit pro Kanal nimmt jede Grundfarbe Werte von 0 bis 255 an, woraus sich über 16,7 Millionen darstellbare Farbwerte ergeben. Im professionellen Farbmanagement werden RGB-Farbräume über ICC-Profile beschrieben, die eine kontrollierte Konvertierung in andere Farbräume ermöglichen. Grundlage hierfür ist der vom Internationalen Beleuchtungskomitee (CIE) definierte CIE-1931-Farbraum, auf den alle standardisierten RGB-Farbräume – darunter sRGB, Adobe RGB und ProPhoto RGB – mathematisch bezogen sind.
Für den Etikettendruck spielt der RGB-Farbraum ausschließlich die Rolle eines Eingabe- und Bildschirmfarbraums. Da Etiketten auf physischen Substraten im subtraktiven Farbmodell gedruckt werden, kommen im eigentlichen Druckprozess – ob Flexo-, Offset-, Digital- oder Thermotransferdruck – ausschließlich CMYK-Farben oder Sonderfarben zum Einsatz. RGB-Daten müssen daher vor dem Druck zwingend in einen CMYK-Farbraum konvertiert werden, was in der Druckvorstufe über RIP-Systeme und ICC-Profile geschieht. Etikettenhersteller verlangen deshalb häufig die Anlieferung von Druckdaten bereits in CMYK, um unkontrollierte Konvertierungen und daraus resultierende Reklamationen zu vermeiden.
Das zentrale Problem dabei: Der RGB-Farbraum ist größer als der im Druck realisierbare CMYK-Farbraum. Leuchtende, gesättigte Farben, die auf dem Monitor intensiv wirken, lassen sich im CMYK-Druck nicht exakt reproduzieren und erscheinen gedruckt blasser oder farblich verschoben. Besonders kritisch sind Neonfarben, die im RGB-Farbraum darstellbar, im CMYK-Farbraum jedoch nicht abbildbar sind und bei Bedarf als Sonderfarben gedruckt werden müssen. Wer als Auftraggeber Etiketten mit präzisen Farbvorgaben benötigt, sollte Farben daher nicht anhand der Bildschirmdarstellung beurteilen, sondern verbindliche Druckmuster oder Proofs im Zielfarbraum als Referenz nutzen. Nur so lässt sich die Lücke zwischen der RGB-Darstellung am Monitor und dem tatsächlichen Druckergebnis zuverlässig schließen.