Microwave-RFID bezeichnet RFID-Systeme und -Etiketten, die im Mikrowellen-Frequenzbereich arbeiten, standardmäßig bei 2,45 GHz und 5,8 GHz. Diese Frequenzen liegen im lizenzfreien ISM-Band und nutzen elektromagnetische Weitfeld-Kopplung zwischen Transponder und Lesegerät. Ein Microwave-RFID-Etikett ist damit ein bedruckbares Label mit integriertem Mikrochip und einer für den Mikrowellenbereich ausgelegten Antenne.
Die Kopplung erfolgt anders als bei LF- oder HF-RFID nicht mehr über magnetische Nahfeldeffekte, sondern über abgestrahlte elektromagnetische Wellen. Das ermöglicht sehr hohe Datenraten und – insbesondere bei aktiven oder semi-aktiven Transpondern – deutlich größere Reichweiten als bei niedrigeren Frequenzbändern. Ein wesentlicher technischer Aspekt ist die Empfindlichkeit gegenüber Dämpfung durch Wasser und feuchtigkeitshaltige Materialien, während 2,45/5,8-GHz-Tags dem Fachbeitrag zufolge auch auf metallischem Hintergrund eingesetzt werden können. Der Einsatz der Mikrowellenbänder unterliegt nationalen Funkregulierungen, die Sendeleistung und zulässige Kanäle begrenzen und damit die erreichbare Reichweite mitbestimmen. Für den RFID-Bereich gilt die Normenreihe ISO/IEC 18000, die Frequenzbänder, Modulationsverfahren und Kommunikationsprotokolle festlegt und auch die Mikrowellenbänder umfasst.
Im Etikettendruck bedeutet Microwave-RFID, dass ein Label-Hersteller spezifische Inlays – bestehend aus Antenne und RFID-IC – verarbeiten muss, die für 2,45 GHz oder 5,8 GHz ausgelegt sind. Diese Inlays werden in Etikettenbahnen konvertiert und mit geeignetem Substrat, Klebstoffschicht und ggf. Schutzlaminat kombiniert. Die Antenne muss materialabhängig so dimensioniert sein, dass sie im Mikrowellenbereich effizient abstrahlt und die Substratdämpfung gering bleibt. Produktionslinien benötigen RFID-fähige Druck- und Kodiersysteme – sogenannte RFID-Printer –, die den Chip während oder nach dem Druckprozess beschreiben. Dafür ist ein Schreib-/Lesegerät notwendig, das explizit das jeweilige Mikrowellenband unterstützt, da handelsübliche Logistik-Infrastruktur heute überwiegend auf UHF-Frequenzen (860–960 MHz) ausgelegt ist.
Für Anwender ist die Kompatibilität mit der bestehenden Reader-Infrastruktur ein zentrales Auswahlkriterium: Wer Microwave-RFID-Labels einsetzen möchte, muss Gates, Handhelds oder Tunnel-Reader mit 2,45/5,8-GHz-Unterstützung betreiben. Typische Anwendungsgebiete liegen in der Maut- und Zugangskontrolle sowie im Logistik-Tracking mit erhöhten Anforderungen an Reichweite und Lesegeschwindigkeit. Trotz dieser technischen Vorzüge wird Microwave-RFID im Etikettenbereich von Branchenanbietern als kaum praxistauglich eingestuft; die Marktnachfrage bleibt begrenzt, was Stückzahlen und Wirtschaftlichkeit der Produktion entsprechend beeinflusst.