IEC 60335-1 und IEC 60601-1 sind internationale Sicherheitsnormen, die im Etikettenkontext nicht als eigenständige Etikettennormen fungieren, sondern Prüfanforderungen an die Kennzeichnung von Geräten stellen. IEC 60601-1 ist die Basisnorm für medizinische elektrische Geräte und Systeme und regelt unter anderem, dass Kennzeichnungen wie Typenschilder, Warnhinweise und Prüfplaketten dauerhaft lesbar und beständig sein müssen. IEC 60335-1 erfüllt eine vergleichbare Funktion für elektrische Geräte des Hausgebrauchs und ähnlicher Zwecke und wird im Etiketten-Compliance-Umfeld ausdrücklich neben IEC 60601-1 und weiteren Sicherheitsnormen wie IEC 60950-1 oder VDE 0711 genannt.
Konkret schreiben beide Normen vor, dass aufgebrachte Kennzeichnungen definierten Wischbeständigkeitsprüfungen standhalten müssen. Für Etiketten auf medizinischen elektrischen Geräten nach IEC 60601-1 bedeutet dies: Ein bedrucktes Muster wird jeweils 15 Sekunden mit einem nassen Tuch, anschließend mit Brennspiritus und danach mit Isopropanol abgerieben. Für technische Geräte mit Bezug auf IEC 60335-1 sieht das Verfahren vor, das Muster zunächst 15 Sekunden mit einem nassen Tuch und nach dem Trocknen weitere 15 Sekunden mit einem in n-Hexan getränkten Tuch zu behandeln. Beide Prüfungen zielen darauf ab, sicherzustellen, dass sicherheitsrelevante Informationen über die gesamte Gerätelebensdauer lesbar bleiben, auch unter dem Einfluss typischer Reinigungs- und Desinfektionsmittel.
Für den Etikettendruck haben diese Normanforderungen unmittelbare Konsequenzen bei der Materialauswahl und der Produktentwicklung. Etikettenhersteller müssen Materialsysteme aus Folie, Haftklebstoff und Druckfarbe so aufeinander abstimmen, dass die geforderte Beständigkeit gegenüber Wasser, Brennspiritus, Isopropanol, n-Hexan sowie weiteren Chemikalien wie Salzsäure 32 %, Kraftstoffen, Kaltreinigern und Motoröl nachweisbar erfüllt wird. Hinzu kommen Anforderungen an die Temperaturbeständigkeit von -40 °C bis +150 °C sowie eine Außenhaltbarkeit von bis zu fünf Jahren. Der Einsatz erfolgt auf Metallen und bestimmten Lacken, was zusätzliche Anforderungen an den Haftklebstoff stellt. Für Gerätehersteller im Medizin- und Technikbereich erleichtert der Einsatz nachweislich normkonform geprüfter Etiketten die Gerätezulassung, da die Beständigkeitsnachweise Teil der Compliance-Dokumentation sind. Etikettenhersteller bieten entsprechende Produkte ausdrücklich als geprüfte Lösungen gemäß DIN EN 60601-1 an und belegen deren Eignung durch dokumentierte Wisch- und Lösemittelbeständigkeitstests.