VDE 0711 / DIN 75302 (Prüfnormen für Wischfestigkeit)

VDE 0711 und DIN 75302 sind keine eigenständigen Etikettennormen, sondern Produktnormen, die im Etikettendruck als Referenz für Wischfestigkeitsprüfungen von Kennzeichnungen herangezogen werden. VDE 0711 bezeichnet Teile der Normenreihe DIN EN 60598 für Leuchten, die unter anderem Anforderungen an die Beständigkeit von Kennzeichnungen regelt. DIN 75302:2019-06 hingegen ist eine Norm für Dachlastträger an Kraftfahrzeugen und legt dort Anforderungen und Prüfverfahren für diese Bauteile fest.

Im praktischen Einsatz geht es bei beiden Normen im Etikettenkontext um denselben Kern: die Wischfestigkeit aufgebrachter Kennzeichnungen. Der Prüfablauf sieht vor, dass ein Tuch mit definierten Flüssigkeiten getränkt wird – genannt werden Hexan, Wasser, Brennspiritus, Isopropyl-Alkohol sowie n-Hexan und Waschbenzin – und dann mit festgelegter Kraft über die Kennzeichnung gestrichen wird. Nach diesem Wischtest werden Lesbarkeit und Klebkraft des Etiketts beurteilt. Entscheidend ist, dass Dauer und Intensität der Einwirkung je nach zugrunde liegender Norm variieren. Neben VDE 0711 und DIN 75302 werden in diesem Zusammenhang auch IEC 60335-1 (elektrische Haushaltsgeräte) und IEC 60950-1 (Informationstechnik) als Bezugsnormen genannt, was verdeutlicht, dass unterschiedliche Produktbereiche unterschiedliche Prüfbedingungen vorschreiben.

Für den Etikettendruck ergibt sich daraus eine direkte Konsequenz: Wer technische Etiketten für Produkte herstellt oder beschafft, die unter solche Normen fallen, muss sicherstellen, dass Material- und Drucktechnik des Etiketts die jeweiligen Wischtests bestehen. Ein Etikettenhersteller muss Trägermaterial, Klebstoff und Bedruckung so aufeinander abstimmen, dass die Kennzeichnung auch nach Kontakt mit Lösungsmitteln oder Reinigungsmitteln lesbar und haftend bleibt. Das Ergebnis einer bestandenen Prüfung lässt sich normkonform dokumentieren: Mit der Norm DIN 30642 können Etiketten mit einer klassifizierten Wischfestigkeitsangabe versehen werden, beispielsweise in der Form „Wischfestigkeit DIN 30642 – A – B – 3 – S“. Diese Angabe macht die geprüfte Eigenschaft für Käufer und Anwender transparent und vergleichbar. Für Anwender in der technischen Industrie – etwa in der Geräte-, Automobil- oder Leuchtenfertigung – ist die Normkonformität der Etikettenkennzeichnung keine optionale Qualitätsgröße, sondern Voraussetzung dafür, dass das Gesamtprodukt die einschlägigen Sicherheits- und Produktnormen erfüllt. Die Auswahl eines Etiketts muss daher stets mit Blick auf die Norm erfolgen, unter die das zu kennzeichnende Produkt fällt.