Cradle-to-Cradle (C2C) bezeichnet ein Design- und Zertifizierungskonzept, bei dem alle in einem Produkt eingesetzten Materialien nach dessen Nutzung vollständig als biologische oder technische Nährstoffe in Kreisläufe zurückgeführt werden können. Der Name steht für „von der Wiege zur Wiege“ und bildet damit das Gegenprinzip zum klassischen linearen Wirtschaften, das Abfälle erzeugt. Operationalisiert wird das Konzept durch den Cradle to Cradle Certified® Product Standard, den das Cradle to Cradle Products Innovation Institute in San Francisco als gemeinnützige Organisation herausgibt.
Das Konzept unterscheidet zwei Kreislauftypen: Materialien, die sich biologisch abbauen lassen, werden als biologische Nährstoffe in natürliche Kreisläufe zurückgeführt, etwa durch Kompostierung. Technische Nährstoffe hingegen verbleiben dauerhaft in technischen Kreisläufen und werden ohne Qualitätsverlust recycelt. Der zugehörige Zertifizierungsprozess bewertet Produkte in fünf Kategorien: Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, Treibhausgase und erneuerbare Energien, Wasser- und Bodenmanagement sowie soziale Gerechtigkeit. Zertifizierungswillige Unternehmen durchlaufen einen strukturierten Prozess aus Inhaltsstofferhebung, Bewertung durch eine unabhängige akkreditierte Stelle, Antragstellung und regelmäßiger Rezertifizierung. Das resultierende Cradle to Cradle Certified®-Label ist ein internationales Umweltzeichen, das auf zertifizierten Produkten kommuniziert werden darf.
Für den Etikettendruck ist C2C auf mehreren Ebenen relevant. Als Druckprodukte fallen Etiketten prinzipiell in den Anwendungsbereich des Standards; Druckereien, die sich am C2C-Programm orientieren, gestalten und produzieren ihre Erzeugnisse so, dass alle Komponenten als Nährstoffe in definierte Kreisläufe rückführbar sind. Das bedeutet konkret, dass sämtliche Materialien eines Etiketts – Substrat, Haftklebstoff, Druckfarbe, Lack und Trägerpapier – hinsichtlich ihrer Materialgesundheit und Kreislauffähigkeit analysiert und gegebenenfalls angepasst werden müssen. Auch Chemikalien und Hilfsstoffe im Produktionsprozess unterliegen dieser Prüfung. Für Etikettenhersteller erfordert eine Zertifizierung zusätzlich Anpassungen beim Energiebezug, der Abwasserbehandlung und der Betriebsorganisation. Für Etikettenkäufer aus Industrie und Handel bietet das C2C-Label Transparenz darüber, dass die verwendeten Materialien definierten Gesundheits- und Kreislaufkriterien entsprechen. Darüber hinaus können Unternehmen C2C-zertifizierte Etiketten nutzen, um eigene Kreislauf- und Nachhaltigkeitsstrategien gegenüber Kunden und Stakeholdern zu belegen. Das Label selbst kann auf dem Etikett aufgedruckt werden, sofern die Zertifizierungsbedingungen eingehalten werden.