Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) ist ein weltweit anerkannter Standardrahmen für die Erfassung, Berechnung, Berichterstattung und das Management von Treibhausgasemissionen in Unternehmen und Organisationen. Es wurde vom World Resources Institute (WRI) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) entwickelt und gilt heute als der am häufigsten genutzte Standard für die Treibhausgasbilanzierung. Das GHG Protocol bildet zudem die methodische Grundlage für verwandte Normen wie ISO 14064 und dient als Ausgangspunkt für unternehmerische Net-Zero-Strategien.
Das Protokoll strukturiert Emissionen in drei Scopes. Scope 1 erfasst direkte Emissionen aus eigenen Quellen, etwa aus Heizkesseln, betriebseigenen Fahrzeugen oder Prozesswärmeanlagen, die mit fossilen Energieträgern betrieben werden. Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus eingekaufter Elektrizität, Dampf, Wärme oder Kälte. Scope 3 schließlich deckt alle übrigen indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ab, darunter eingekaufte Güter und Dienstleistungen, Transport, Abfallentsorgung sowie das Lebensende verkaufter Produkte. Unternehmen sind verpflichtet, mindestens Scope 1 und Scope 2 zu bilanzieren; Scope 3 gilt als wesentlich für ein vollständiges Bild der Klimawirkung.
Für Etikettendruckereien ist das GHG Protocol in allen drei Scopes unmittelbar relevant. Scope 1 betrifft beispielsweise Emissionen aus Trocknungsanlagen oder Heizsystemen, die mit Erdgas oder Heizöl betrieben werden. Scope 2 umfasst den Stromverbrauch für Druckmaschinen, Rewinder, Schneidanlagen, UV-Härtungssysteme, Kompressoren und IT-Infrastruktur. Den größten Hebel bietet jedoch Scope 3: Die Beschaffung von Etikettenmaterialien wie Papier- oder Foliensubstraten, Klebstoffen, Linern und Druckfarben fällt unter die Kategorie „eingekaufte Güter und Dienstleistungen“, während Transport und Abfallentsorgung weitere Scope-3-Kategorien darstellen. Auch das Lebensende der Etiketten – ob Recycling oder Verbrennung der Trägermaterialien – wird dem Hersteller als Scope-3-Emission zugerechnet.
Für Käufer von Etiketten, etwa Markenunternehmen, sind Etiketten selbst ein eingekauftes Gut und fließen damit direkt in deren eigene Scope-3-Bilanz ein. Das bedeutet in der Praxis, dass Kunden zunehmend Emissionsdaten von Etikettenlieferanten einfordern, um ihre eigene Klimabilanz vollständig und vergleichbar darzustellen. Etikettendruckereien, die nach GHG Protocol bilanzieren, können diese Daten standardisiert und transparent bereitstellen, was ihre Wettbewerbsposition gegenüber Kunden mit eigenen Nachhaltigkeitsverpflichtungen stärkt. Materialwahl, Lieferantenentscheidungen und Logistikkonzepte haben damit direkten Einfluss auf die messbare Klimabilanz – sowohl des Herstellers als auch seiner Abnehmer.