Aufbauen (Lokale Farbansammlung an Druckform/Gummituch)

Unter „Aufbauen“ oder „Farbaufbau“ versteht man im Offsetdruck die unerwünschte lokale Ansammlung von Druckfarbe auf der Druckform oder dem Gummituch, die sich während des laufenden Druckprozesses aufschichtet. Diese Reliefbildung entsteht nicht gleichmäßig über die gesamte Fläche, sondern konzentriert sich typischerweise an Schrift-, Raster- und Bildkanten. Es handelt sich um einen Prozessfehler, der die Druckqualität messbar verschlechtert und im schlimmsten Fall die Produktion zum Stillstand bringt.

Technisch gesehen verändert der entstehende Farbauftrag den Druckspalt zwischen Gummituch und Druckform beziehungsweise zwischen Gummituch und Bedruckstoff. Die direkte Folge ist ein unkontrollierter Tonwertzuwachs: Druckelemente werden breiter und dunkler abgebildet als vorgesehen, nichtdruckende Bereiche beginnen zu tonen, Konturen verschmieren. Bei weiterem Fortschreiten des Aufbaus kann der Bedruckstoff an den stehenden Farbresten haften bleiben, was bei bogenverarbeitenden Maschinen zu Bogenabriss und bei Rollenmaschinen zu Bahnabriss führt. Abhilfe schafft in der Praxis nur ein Reinigungsstopp, bei dem Gummituch und Druckform von den aufgeschichteten Farbresten befreit werden.

Für den Etikettendruck ist Farbaufbau aus mehreren Gründen besonders relevant. Erstens arbeiten Schmalbahn-Offset-Etikettendruckmaschinen überwiegend mit UV-Farben, die gegenüber konventionellen Offsetfarben eine andere Rheologie aufweisen und spezifische Anforderungen an das Gummituch stellen. Das Gummituch muss UV-beständig und zugleich gegen die im Etikettendruck eingesetzten Waschmittel resistent sein, da ungeeignete Materialkombinationen das Risiko von Farbaufbau erhöhen. Zweitens reagieren bestimmte im Etikettendruck verbreitete Bedruckstoffe besonders empfindlich: Glänzend gestrichene Papiere mit niedriger Grammatur können bereits nach wenigen tausend Drucken zu extremem Aufbauen auf dem Gummituch führen. Drittens läuft der Etikettendruck häufig bahnorientiert, sodass jede durch Farbaufbau erzwungene Produktionsunterbrechung den kontinuierlichen Bahnlauf stört und Stillstandszeiten sowie Makulatur verursacht.

Für Etikettenhersteller bedeutet das: Die Auswahl von Gummituch, Druckfarbe und Reinigungsmittel als aufeinander abgestimmtes System ist entscheidend, um Farbaufbau zu minimieren und stabile Prozesse zu gewährleisten. Für Käufer von Etiketten ist der Effekt indirekt spürbar: Farbaufbau verursacht Tonwertveränderungen, die bei Markenetiketten die optische Qualität beeinträchtigen und bei Kennzeichnungsetiketten mit Barcodes oder DataMatrix-Codes die Lesbarkeit durch Scanner- und Kamerasysteme gefährden können. Die Norm ISO 12647‑2 definiert zulässige Tonwertzunahmen im Offsetdruck und bildet damit den messtechnischen Rahmen, innerhalb dessen Farbaufbau als qualitätsrelevante Störgröße bewertet wird.