Der Begriff „Bleed-Boarder“ ist im Fachjargon der Druckvorstufe nicht als eigenständiger Fachausdruck etabliert; die korrekte Bezeichnung lautet **Bleed** oder auf Deutsch **Beschnittzugabe** bzw. **Anschnitt**. Bleed bezeichnet den Bereich eines Drucklayouts, der absichtlich über das spätere Endformat hinausgeführt wird und nach dem Schnitt- oder Stanzvorgang entfernt wird. Zweck dieser Übermaßzone ist es, unvermeidliche Toleranzen beim Beschnitt auszugleichen, damit am fertigen Druckprodukt keine unbedruckten, weißen Ränder sichtbar bleiben.
In der Praxis wird das Artwork eines Dokuments in einem Layout-Programm wie Adobe InDesign, Illustrator oder Photoshop größer angelegt, als das eigentliche Endformat vorsieht. Der Inhalt, der bis an die Kante des fertigen Produkts reichen soll, etwa eine Hintergrundfarbe, ein Foto oder ein grafisches Element, wird dabei über die eigentliche Schnittkante hinaus verlängert. Als Richtwert hat sich in der Druckindustrie eine Beschnittzugabe von 3 mm bzw. 1/8 Zoll auf jeder Seite etabliert; bei größeren Formaten können auch größere Zugaben erforderlich sein. Diese Werte sind gängige Praxisempfehlungen, keine festgelegte Norm.
Im Etikettendruck kommt dem Bleed eine besonders hohe Bedeutung zu, weil Etiketten in der Regel auf Endformat gestanzt oder geschnitten werden. Soll eine Hintergrundfarbe, ein Bild oder ein Designelement bis an die Außenkante des Etiketts reichen, muss dieses Element in der Druckdatei über die Stanz- oder Schnittkante hinauslaufen. Fehlt diese Beschnittzugabe, entstehen nach dem Stanzen oder Schneiden sogenannte „weiße Blitzer“: schmale, unbedruckte Streifen am Rand des Etiketts, die durch minimale Passungenauigkeiten zwischen Druck und Schnitt verursacht werden. Solche Fehler sind am fertigen Etikett mit bloßem Auge erkennbar und wirken unprofessionell, unabhängig davon, ob das Etikett auf Papier, Folie oder einem anderen Obermaterial gedruckt wurde.
Für Auftraggeber, die Etikettendruckdaten einreichen, bedeutet das konkret: Wann immer ein Gestaltungselement bis an den Rand des Etiketts geführt werden soll, müssen die Druckdaten mit der entsprechenden Beschnittzugabe angelegt werden. Druckereien und Etikettenhersteller prüfen eingehende Daten in der Druckvorstufe auf korrekt angelegte Bleed-Bereiche, da fehlende Beschnittzugaben zu Produktionsverzögerungen oder fehlerhaften Endprodukten führen können. Wer Druckdaten ohne Bleed liefert, riskiert sichtbare Randmängel am fertigen Etikett, die sich nachträglich nicht korrigieren lassen.