Beschnitt

Beschnitt bezeichnet im Etikettendruck den bedruckten Randbereich, der über das eigentliche Endformat des Etiketts hinausgeht und in der Weiterverarbeitung durch Schneiden oder Stanzen wieder entfernt wird. Diese sogenannte Beschnittzugabe – auch Anschnitt oder im Englischen „Bleed“ genannt – ist eine verarbeitungstechnisch notwendige Formatzugabe, die sicherstellt, dass das fertige Etikett trotz unvermeidbarer Schnitt- und Stanztoleranzen optisch sauber und ohne unbedruckte Ränder erscheint.

Im Layout wird der Beschnittbereich mit denselben Hintergrundflächen, Farben, Bildern oder Mustern gefüllt, die auch das eigentliche Etikett zeigt – obwohl dieser Bereich im fertigen Produkt nicht sichtbar ist. Die typische Beschnittzugabe liegt je nach Druckerei zwischen 1,6 mm und 2,5 mm rundum über die eigentliche Etikettenkontur hinaus. Etikettendruckereien geben dazu verbindliche technische Spezifikationen vor: So fordert beispielsweise ein Anbieter exakt 2,5 mm, ein anderer 2 mm, während Avery Zweckform für seinen Druckservice 1,6 mm ansetzt. Parallel zum Beschnitt ist ein Sicherheitsabstand nach innen einzuhalten, damit Texte, Logos und andere wichtige Inhalte beim Ausstanzen nicht angeschnitten werden. In gängiger Layoutsoftware wie Adobe InDesign oder Illustrator lässt sich der Beschnitt direkt über entsprechende Eingabefelder definieren; beim PDF-Export werden Schnittmarken und Beschnittzugabe aktiviert, damit die Weiterverarbeitung die Bereiche korrekt erkennt.

Für den Etikettendruck ist der Beschnitt besonders relevant, weil Etiketten zunächst auf größeren Bögen oder Bahnen gedruckt und anschließend per Rotationsstanze oder Bandstahlschnitt auf ihr Endformat gebracht werden. Dabei können sich Materialbahnen im Druck- und Schneidprozess minimal verschieben. Ohne ausreichenden Beschnitt entstehen an diesen Stellen sogenannte weiße Blitzer – schmale, unbedruckte Randstreifen, die das Erscheinungsbild eines vollflächig bedruckten Etiketts erheblich beeinträchtigen. Das Prinzip gilt für alle gängigen Etikettenmaterialien, also Haftpapier ebenso wie Kunststofffolien, und ist unabhängig vom eingesetzten Druckverfahren, ob Flexo-, Offset- oder Digitaldruck.

Praktisch bedeutet das: Wer eigene Druckdaten bei einer Etikettendruckerei einreicht, muss den Beschnitt gemäß den jeweiligen Vorgaben anlegen. Fehlt er oder ist er zu gering dimensioniert, kann der Druckauftrag abgelehnt werden, zusätzliche Kosten für die Datenkorrektur entstehen oder das fertige Etikett zeigt sichtbare weiße Ränder. Korrekt angelegter Beschnitt ist damit eine grundlegende Voraussetzung für randlos bedruckte Etiketten in reproduzierbarer, reklamationsfreier Qualität.