„Booklet-Scharnier“ bezeichnet im Kontext des Etikettendrucks die fest verklebte Rücken- bzw. Befestigungsseite eines Booklet-Etiketts, also jene Kante, an der die mehrseitige Minibroschüre mit dem Trägeretikett verbunden ist und entlang der sie aufgeklappt wird. Der Begriff ist kein normativ definierter Fachausdruck, der in einschlägigen Normen oder Standards eigenständig festgelegt wäre, sondern eine praxisübliche Bezeichnung aus dem Bereich der Booklet-Etikettenkonfektionierung. In technischen Hinweisen von Herstellern wird „Scharnier“ konkret als Beschreibung der Laufrichtung verwendet, nach dem Grundsatz: Die Laufrichtung des Etiketts auf der Rolle entspricht immer der Scharnier-Seite.
Ein Booklet-Etikett besteht aus einem selbstklebenden Trägeretikett aus Papier oder Folienmaterial sowie einer darauf aufgebrachten mehrseitigen Broschüre aus Papier, die am Rücken per Klebefalzung oder Klebebindung sowohl zusammengehalten als auch mit dem Trägeretikett verbunden wird. Diese Verbindungsstelle ist das sogenannte Scharnier. Die Position dieser gebundenen Seite legt fest, wie das Booklet aufklappt und in welcher Orientierung das fertige Etikett auf die Rolle konfektioniert wird. Für gewölbte Oberflächen wie Flaschen kommen häufig zusätzlich Folien oder Laminate zum Einsatz, um ausreichende Haftung und Stabilität zu gewährleisten. Als Druckverfahren für Booklet-Etiketten werden je nach Hersteller Rollenoffset, Flexodruck und Digitaldruck eingesetzt.
Für den Etikettendruck hat das Scharnier-Konzept unmittelbare praktische Konsequenzen auf mehreren Ebenen. Bei der Konstruktion bestimmt die Lage der Bindungsseite, wie das Booklet am fertigen Produkt zugänglich ist und ob es sich für den Endnutzer bequem öffnen lässt. Bei der Konfektionierung auf Rolle legt die Scharnier-Seite die exakte Ausrichtung des Etiketts auf dem Träger fest. Beim automatischen Etikettieren mit Spenden- und Etikettiermaschinen muss diese Orientierung mit der Maschinenspezifikation übereinstimmen, damit der Aufspendeprozess prozesssicher abläuft und das Booklet korrekt auf das Produkt übertragen wird. Anwender, die Booklet-Etiketten beauftragen, müssen daher die gewünschte Öffnungsrichtung sowie die Position der gebundenen Seite am Produkt verbindlich angeben.
Booklet-Etiketten werden eingesetzt, um auf begrenzter Produktfläche umfangreiche Informationen bereitzustellen, etwa Gebrauchsanweisungen, mehrsprachige Texte, gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungen bei Gefahrstoffen nach CLP/GHS oder regulatorische Anforderungen im Pharma-Bereich einschließlich klinischer Studien. In all diesen Anwendungen ist die korrekte Definition der Scharnier-Seite kein gestalterisches, sondern ein technisches und prozesstechnisches Merkmal, das Herstellung, Konfektionierung und maschinelle Verarbeitung gleichermaßen beeinflusst.