Im Etikettendruck bezeichnet „Laufrichtung“ zwei verwandte, aber zu unterscheidende Konzepte: zum einen die Ausrichtung der Zellstofffasern im Etikettenmaterial, die durch die Papiermaschine festgelegt wird, und zum anderen – bei Rollenetiketten – die Wickel- und Abwickelrichtung sowie die konkrete Lage der Etiketten auf dem Trägermaterial. Beide Bedeutungen sind für die Herstellung und Verarbeitung von Etiketten unmittelbar relevant.
Bei der Papierherstellung ordnen sich die Zellstofffasern parallel zur Bewegungsrichtung der Papierbahn an. Daraus ergibt sich eine Vorzugsrichtung des Materials: In Laufrichtung ist das Papier steifer, dimensionsstabiler und lässt sich leichter biegen als quer dazu. Quer zur Laufrichtung dehnt sich Papier bei Feuchtigkeitsaufnahme stärker aus, was zu Verzug oder Wellenbildung führen kann. Je nach Zuschnitt unterscheidet man Schmalbahn, bei der die Fasern parallel zur längeren Formatseite verlaufen, und Breitbahn, bei der die Fasern parallel zur kürzeren Seite liegen. Diese Faserorientierung beeinflusst direkt die Maßhaltigkeit, Falzbarkeit und Verarbeitungssicherheit eines Etiketts in Druck- und Weiterverarbeitungsmaschinen.
Bei konfektionierten Rollenetiketten beschreibt die Laufrichtung, wie das Druckmotiv beim Abwickeln von der Rolle orientiert ist – also ob Kopf, Fuß, Wortanfang oder Wortende der Etikettenaufschrift „vorausläuft“. Zusätzlich legt sie fest, ob die Etiketten längs oder quer zur Bahn auf dem Trägermaterial angeordnet sind und ob die Rolle innen- oder außengewickelt ist. Um die gewünschte Laufrichtung zu erzielen, wird die Druckdatei bei der Konfektionierung gegebenenfalls um 90° oder 180° gedreht.
Für den Etikettendruck hat die korrekte Laufrichtung direkte praktische Konsequenzen. Etikettier- und Spendeanlagen sind auf eine bestimmte Abwickelrichtung ausgelegt; stimmt die Laufrichtung der angelieferten Rolle nicht mit den Maschinenspezifikationen überein, entstehen Störungen beim Aufspenden, Fehleinzüge oder eine falsche Ausrichtung des Etiketts auf dem Produkt. Käufer müssen daher bei der Bestellung die benötigte Laufrichtung präzise angeben – einschließlich Innen- oder Außenwicklung, Längs- oder Querlage sowie der gewünschten Motivausrichtung. Hersteller passen die Konfektionierung entsprechend an, damit die Rollen direkt in den Etikettiersystemen der Kunden eingesetzt werden können. Darüber hinaus ist die Laufrichtung auch bei der industriellen Kennzeichnung relevant: Barcodes und andere Codes können in Laufrichtung des Etiketts oder senkrecht dazu aufgebracht werden, was etwa im regulierten Pharmabereich bei der Serialisierung eine Rolle spielt. Insgesamt ist die Laufrichtung ein zentraler Parameter, der sowohl die Materialeigenschaften als auch die störungsfreie maschinelle Verarbeitung von Etiketten bestimmt.