Carbon Footprint / CO2-Fußabdruck

Der Carbon Footprint – im Produktkontext auch als Product Carbon Footprint (PCF) bezeichnet – ist die quantifizierte Gesamtheit aller Treibhausgasemissionen, die einem Produkt, einem Prozess oder einem Unternehmen über definierte Lebenszyklusphasen zugeordnet werden. Das Ergebnis wird stets in Kohlendioxid-Äquivalenten (CO₂e) ausgedrückt, um verschiedene Treibhausgase vergleichbar zu machen. Der PCF gilt als etablierteste Methode, um die Klimawirkung eines Produkts zu ermitteln, und ist technisch gesehen eine auf Treibhausgase fokussierte Sonderform der Lebenszyklusanalyse (LCA).

Die Berechnung erfolgt entlang festgelegter Systemgrenzen: Entweder werden nur die Phasen von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor erfasst („cradle-to-gate“) oder der gesamte Lebensweg bis zur Entsorgung einbezogen („cradle-to-grave“). Als anerkannte methodische Grundlagen dienen dabei das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) sowie die ISO-14000-Normenreihe, insbesondere ISO 14067 für produktbezogene Treibhausgasbilanzen. Für papierbasierte Etikettenmaterialien existiert zudem ein branchenspezifischer Leitfaden – das Cepiprint/Cepifine User Guide to the Carbon Footprint of Graphic Paper –, der eine einheitliche Berechnungsbasis für grafische Papiere und damit auch für viele Etiketten-Substratmaterialien bietet.

Im Etikettendruck ist der Carbon Footprint auf mehreren Ebenen relevant. Auf Materialseite zeigt sich, dass Recyclingpapiere in der Herstellung gegenüber Frischfaserpapieren einen deutlich geringeren Treibhauseffekt aufweisen, da der Energiebedarf für die Zellstoffproduktion aus Holz erheblich höher ist als beim Papierrecycling. Etikettendruckereien nutzen diesen Zusammenhang, indem sie Substrate auf Recyclingpapierbasis gezielt einsetzen, um den PCF ihrer Produkte zu senken. Auf Prozessebene werden Energieverbräuche von Druckmaschinen, Trocknungssystemen und Weiterverarbeitungsschritten wie Stanzen und Schneiden in die Bilanzierung einbezogen. Der Digitaldruck bietet in dieser Hinsicht einen messbaren Vorteil, da der Verzicht auf Druckplatten Vorstufenprozesse und damit verbundene Emissionen reduziert. Etikettendruckereien, die sich als CO₂-neutral positionieren, ermitteln zunächst ihren betrieblichen Gesamtfußabdruck und kompensieren verbleibende Emissionen über zertifizierte Klimaschutzprojekte; Voraussetzung ist der Einsatz erneuerbarer Energien und ressourcenschonender Verfahren. Hersteller wie Avery Zweckform weisen für konkrete Etikettenprodukte – etwa Folien- und Namensetiketten – einen verifizierten PCF aus und kommunizieren dies über entsprechende CO₂e-Labels. Solche Labels, wie sie etwa der Carbon Trust ausstellt, bescheinigen, dass die Emissionen eines Produkts gemessen und durch eine unabhängige Instanz geprüft wurden. Für Einkäufer von Etiketten schafft ein ausgewiesener und normkonform berechneter PCF damit eine belastbare Vergleichsgröße bei der Lieferantenauswahl, auch wenn produktspezifische CO₂-Kennzeichnungspflichten für Etiketten derzeit noch freiwillig sind.