ISO 14067 (DIN EN ISO 14067:2019-02) ist eine internationale Norm mit dem Titel „Treibhausgase – Carbon Footprint von Produkten – Anforderungen an und Leitlinien für Quantifizierung“. Sie definiert den Product Carbon Footprint (PCF) als die Bilanz aller Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts, bezogen auf eine definierte Nutzeinheit. Alle relevanten Treibhausgase – darunter CO₂, CH₄ und N₂O – werden dabei anhand des GWP-100-Werts des jeweils aktuellen IPCC-Berichts in CO₂-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet.
Methodisch baut ISO 14067 auf den Ökobilanznormen ISO 14040 und ISO 14044 (Life Cycle Assessment, LCA) auf und wendet deren Prinzipien spezifisch auf die CO₂-Bilanzierung von Produkten an. Die Norm erfasst alle Lebenszyklusphasen: Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport, Nutzung und Entsorgung. Eine Bilanzierung kann entweder „cradle-to-grave“ (vollständiger Lebenszyklus) oder – mit Begründung – „cradle-to-gate“ (bis Werkstor) erfolgen. Die Norm ist dabei bewusst technologieneutral: Sie schreibt keine bestimmten Materialien oder Produktionsverfahren vor, sondern legt fest, wie Emissionen methodisch korrekt erfasst und berichtet werden müssen. Die Kommunikation des berechneten CFP nach außen ist nicht mehr Bestandteil von ISO 14067, sondern fällt in den Anwendungsbereich der ergänzenden Norm DIN EN ISO 14026.
Für den Etikettendruck ist ISO 14067 als allgemeine Produktnorm unmittelbar anwendbar, da Etiketten physische Produkte sind. Ein Etikettenhersteller kann auf Basis dieser Norm den PCF einzelner Produkte berechnen – etwa pro 1.000 Etiketten oder pro m² Etikettenmaterial – und diesen Wert gegenüber Kunden ausweisen oder durch Dritte verifizieren lassen. In die Berechnung fließen sämtliche emissionsrelevanten Stufen ein: die Herstellung von Trägermaterialien wie Papier oder Kunststofffolien, Klebstoffsysteme, Druckfarben und Beschichtungen, der Energieverbrauch von Druckmaschinen, Trocknungs- und Schneidanlagen sowie Transport- und Entsorgungsprozesse. Für Einkäufer von Etiketten – etwa Markenartikler oder industrielle Anwender – sind nach ISO 14067 berechnete PCF-Werte besonders relevant, um Etiketten als eingekaufte Vorprodukte in ihrer eigenen Scope-3-Emissionsbilanz (Kategorie „eingekaufte Güter“) quantifizierbar zu machen, etwa im Rahmen von CSRD-Berichtspflichten oder des Greenhouse Gas Protocol. Da die Norm eine einheitliche Berechnungsmethodik vorschreibt, werden PCF-Angaben verschiedener Etikettenlieferanten vergleichbar. Etikettenhersteller, die PCF-Werte nach ISO 14067 bereitstellen, erhöhen damit nachweislich die Transparenz ihrer Klimawirkung und schaffen eine verifizierbare Grundlage für Reduktionsmaßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.