Ein Digital Label – im industriellen Kontext auch als E-Label, elektronisches Etikett oder Electronic Shelf Label (ESL) bezeichnet – ist ein wiederverwendbares, digital ansteuerbares Etikett mit integrierter Displayfunktion, das gedruckte Papieretiketten in Produktion, Logistik und Handel ersetzt. Im Unterschied zu konventionellen Drucketiketten trägt es keine fest aufgedruckten Informationen, sondern zeigt diese auf einem elektronischen Display an, das sich jederzeit ohne Neudruck aktualisieren lässt. In der Praxis kommen dabei überwiegend E-Ink-Displays zum Einsatz, die Informationen stromsparend und gut lesbar darstellen.
Die Funktionsweise basiert auf einem Zusammenspiel aus Hardware und Software: Das E-Label empfängt seine Anzeigedaten digital aus einem übergeordneten IT-System – etwa einem MES-, ERP- oder Warehouse-Management-System – und stellt diese automatisiert oder auf Abruf dar. Angezeigt werden können Beschriftungen, Kennzahlen, Barcodes oder Fertigungsauftragsdaten. Die Verknüpfung eines elektronischen Etiketts mit einem konkreten Objekt, etwa einer Kiste oder einem Ladungsträger, erfolgt häufig über ein mobiles Datenerfassungsgerät, das den Behälter scannt und das E-Label dem entsprechenden Auftrag zuordnet. Zur eindeutigen Identifikation lassen sich Digital Labels zusätzlich mit RFID-Tags oder Barcodes kombinieren. Als relevanter Standard für die digitale Produktkennzeichnung auf Etiketten gilt der GS1 Digital Link, der bestehende GS1-Identifikationsstandards wie die GTIN in einem webfähigen 2D-Code zusammenführt und ebenfalls aktualisierbar ist, ohne das physische Etikett neu drucken zu müssen.
Für den Etikettendruck ist die Relevanz von Digital Labels grundlegend: Sie stellen das Prinzip des einmaligen, statischen Drucketiketts strukturell in Frage. Dort, wo bisher für jeden Informationswechsel ein neues Papieretikett gedruckt, appliziert und entsorgt werden musste – etwa bei der Behälterkennzeichnung, der Regalbeschriftung, der Maschinenkennzeichnung mit Wartungsstatus oder der Darstellung wechselnder Fertigungsaufträge als Laufkarten – übernimmt das elektronische Etikett diese Funktion dauerhaft und wiederverwendbar. Für Hersteller von Kennzeichnungslösungen bedeutet das eine Erweiterung ihres Portfolios über den reinen Druck hinaus: Sie müssen elektronische Hardware, Funkinfrastruktur und die Integration in bestehende IT-Systeme bereitstellen. Für Anwender in Industrie und Logistik reduziert der Einsatz von Digital Labels den Verbrauch von Papieretiketten, minimiert manuelle Umetikettierungen und erhöht die Aktualität sowie Transparenz der angezeigten Informationen. Die Kombination mit RFID-gestützter Kennzeichnung unterstützt zudem die eindeutige Rückverfolgbarkeit von Komponenten und Ladungsträgern – eine Anforderung, die im industriellen Kennzeichnungsumfeld zunehmend normativ gefordert wird.