Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein standardisierter, elektronischer Datensatz, der einem physischen Produkt über eine eindeutige Kennung fest zugeordnet wird. Er enthält strukturierte, maschinenlesbare Informationen zum gesamten Produktlebenszyklus – von Materialzusammensetzung und Herkunft über Reparaturfähigkeit bis hin zu Umweltwirkungen und Entsorgung. Rechtliche Grundlage ist die EU-Verordnung 2024/1781, bekannt als Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR).
Technisch besteht der DPP aus zwei Elementen: einem digitalen Datensatz, der in offenen, interoperablen Formaten wie JSON oder XML vorgehalten wird, und einem physischen Datenträger, der das Produkt mit diesem Datensatz verknüpft. Als Datenträger kommen gedruckte 2D-Codes wie QR-Codes oder RFID-Tags zum Einsatz. Der Zugriff auf die DPP-Daten erfolgt über standardisierte Programmierschnittstellen (APIs) gemäß der in Entwicklung befindlichen Norm DIN EN 18222. Die eindeutigen Produktkennungen, die dabei verwendet werden, unterliegen den Anforderungen der Norm DIN EN 18219, während DIN EN 18220 die physischen und digitalen Trägerformen selbst – also etwa QR-Code und RFID – definiert. Die EU-Batterieverordnung macht den DPP für bestimmte Batteriespeicher ab 2027 verpflichtend und bildet damit einen der ersten konkreten Anwendungsfälle.
Für den Etikettendruck hat der DPP unmittelbare und weitreichende Konsequenzen. Das Etikett übernimmt die Funktion des physischen Zugangspunkts zum digitalen Pass: Es trägt den QR-Code oder RFID-Tag, über den Verbraucher und professionelle Anwender per Scan auf alle hinterlegten Produktinformationen zugreifen können. Damit steigen die Anforderungen an Etikettenmaterialien und Druckverfahren erheblich. Die Kennzeichnung muss über den gesamten Produktlebenszyklus lesbar und haltbar bleiben – kurzlebige Materialien oder drucktechnisch minderwertige Codes erfüllen diese Anforderung nicht. Etikettenhersteller sind daher gefordert, robuste Materialien wie widerstandsfähige Kunststoffe oder Spezialpapiere einzusetzen und Etikettendrucker sowie Spendesysteme zu nutzen, die 2D-Codes in der erforderlichen Qualität und Auflösung reproduzieren. Wer RFID-Datenträger verwendet, benötigt zusätzlich geeignete Codier- und Leseeinheiten. Industrielle Anwender, die Produkte kennzeichnen, müssen sicherstellen, dass ihre Etikettenlösungen die korrekte Produkt-ID enthalten, den DPP-Datensatz zuverlässig verlinken und den normativen Vorgaben von DIN EN 18219 und DIN EN 18220 entsprechen. Durch die ESPR-Pflicht, von rein physischen Etiketten auf digitale Identifikationssysteme umzustellen, entsteht strukturell eine erhöhte Nachfrage nach Etiketten, die als normkonforme Träger solcher digitalen Kennungen ausgelegt sind.