Im Etikettendruck bezeichnet Endlosetikett ein Etikettenmaterial, das als durchgehende, fortlaufende Materialbahn vorliegt – entweder aufgerollt oder in Leporello-Falzung (Zickzack-Falz). Anders als bei bereits vereinzelten Etiketten sind auf dieser Bahn keine fertigen Einzel-Etiketten vorgestanzt; die endgültige Etikettenkontur entsteht erst während des Drucks oder der Weiterverarbeitung, etwa durch integrierte Schneide- oder Stanzeinheiten im Drucker oder in der Weiterverarbeitungsmaschine.
Wie jedes Haftetikett besteht auch das Endlosetikettenmaterial aus drei Schichten: dem Obermaterial, einem druckempfindlichen Haftklebstoff sowie einem silikonbeschichteten Trägermaterial (Liner). Als Obermaterial kommen Papier – häufig für Standard-Versand- und Logistiketiketten – oder Kunststofffolien wie PE, PP oder PET zum Einsatz, wenn höhere Beanspruchung, Feuchtigkeits- oder Chemikalienbeständigkeit gefordert sind. Bedruckt wird Endlosmaterial überwiegend im Thermodirektverfahren, bei dem ein hitzeempfindliches Obermaterial ohne Farbband auskommt, oder im Thermotransferverfahren, bei dem Farbe über ein Farbband auf das Material übertragen wird und eine dauerhaftere Kennzeichnung erzielt. Für die Vordruckproduktion der Rollen – also für farbige Hintergründe, Logos oder Festtexte – werden auch konventionelle Druckverfahren wie Flexo- oder Offsetdruck eingesetzt; die variablen Informationen werden anschließend per Thermodruck aufgebracht.
Der praktische Einsatz von Endlosetiketten konzentriert sich auf Bereiche, in denen variable Daten in hoher Stückzahl gedruckt werden müssen: Logistik und Versand, Produktionskennzeichnung mit Chargen- oder Seriennummern sowie automatisierte Etikettiersysteme in der Intralogistik. Da die Etikettenlänge beim Endlosmaterial erst im Drucker festgelegt wird, lassen sich unterschiedliche Formate ohne Materialwechsel realisieren – ein klarer Vorteil gegenüber vorgestanzten Etiketten in fester Größe.
Für den Etikettendruck hat die Wahl von Endlosmaterial konkrete Konsequenzen. Drucker und Etikettiersysteme sind auf definierte Rollenbreiten, Kerndurchmesser und Materialstärken ausgelegt; eine falsche Materialwahl führt direkt zu Prozessstörungen. Ebenso müssen Maßhaltigkeit, Papierlaufrichtung und Ablösezeit des Liners den Anforderungen der verarbeitenden Maschinen entsprechen – Toleranzabweichungen verursachen Fehler beim automatischen Spendern oder Aufbringen. Für Anwender bedeutet Endlosmaterial außerdem eine reduzierte Lagerhaltung, da keine vorgedruckten Einzel-Etiketten bevorratet werden müssen; alle variablen Inhalte wie Adressen, Barcodes oder MHD-Angaben werden bedarfsgerecht im On-Demand-Druck erzeugt. Korrekt ausgewähltes und normgerecht produziertes Endlosetikettenmaterial ist damit eine Grundvoraussetzung für eine zuverlässige, rückverfolgbare und rechtskonforme Warenkennzeichnung.