EPCIS

EPCIS (Electronic Product Code Information Services) ist ein offener GS1-Standard, der ein Datenmodell sowie Schnittstellen zur Erfassung und zum Austausch von Prozessereignissen entlang der Lieferkette definiert. Entwickelt von GS1 und als ISO/IEC/GS1-Standard anerkannt, beantwortet EPCIS die zentralen Fragen „Was? Wo? Wann? Warum? Wie?“ in einer einheitlichen Syntax und ermöglicht so den strukturierten, unternehmensübergreifenden Datenaustausch. Die aktuelle Version EPCIS 2.0 wurde 2022 veröffentlicht und bringt ein erweitertes Datenmodell sowie moderne APIs mit sich.

Im operativen Einsatz funktioniert EPCIS folgendermaßen: An definierten Punkten der Wertschöpfungskette lesen Barcode-Scanner oder RFID-Lesegeräte die auf Etiketten aufgebrachten GS1-Identifikationsschlüssel – etwa GTIN, SSCC, Seriennummer, Charge oder Ablaufdatum. Diese erfassten IDs werden in sogenannte EPCIS-Events eingebettet, die zusätzlich Zeitstempel, Standortangabe, Prozessschritt und Status enthalten. Typische Ereignisse, die so abgebildet werden, reichen von Herstellung und Verpackung über Kommissionierung und Warenausgang bis hin zu Empfang, Qualitätskontrolle und Verkauf. Die Verarbeitung dieser Ereignisdaten erfolgt über EPCIS-Capture- und Query-Schnittstellen, typischerweise eingebunden in MES-, WMS-, ERP- oder spezialisierte Track-&-Trace-Systeme.

Für den Etikettendruck ist EPCIS kein Druckverfahren und kein Material, sondern das Regelwerk, das definiert, wie die auf Etiketten codierten Identifikatoren logisch genutzt und verknüpft werden. Daraus ergeben sich konkrete Anforderungen an Etiketten: Sie müssen GS1-konforme Identifikationsschlüssel in maschinenlesbarer Form tragen – etwa als GS1-128 oder GS1-DataMatrix-Code –, damit EPCIS-fähige Systeme die aufgedruckten Daten überhaupt verarbeiten können. Bei RFID-gestützten Anwendungen sind zusätzlich EPC-kompatible Tags erforderlich, deren Electronic Product Code von EPCIS-Systemen ausgelesen und weiterverarbeitet wird. Etikettenkäufer und -hersteller müssen also sicherstellen, dass Inhalt und Codierung der Etiketten von vornherein auf die EPCIS-Nutzung ausgelegt sind.

Der praktische Nutzen ist erheblich: Unternehmen, die EPCIS einsetzen, erzielen unternehmensübergreifende Rückverfolgbarkeit und können Bewegung, Status und Transformation etikettierter Produkte lückenlos nachvollziehen. Das beschleunigt Rückrufaktionen, verbessert die Bestandskontrolle und vereinfacht Compliance-Nachweise – etwa in regulierten Bereichen wie Lebensmittel- und Pharmarückverfolgbarkeit oder bei der Unique Device Identification im Gesundheitswesen. EPCIS schafft dabei eine gemeinsame „Sprache“ für alle Beteiligten der Lieferkette, was die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen IT-Systemen auf Basis von Barcode- und RFID-Etikettendaten deutlich erhöht.