Fadenziehen bezeichnet im Etikettendruck das Phänomen, bei dem der Haftklebstoff beim Ablösen eines Etiketts fadenförmige Strukturen bildet, anstatt sauber und rückstandsfrei zu trennen. Der Begriff beschreibt damit ein spezifisches Verhalten der Klebstoffschicht, das sowohl beim Abziehen eines Etiketts vom Silikonpapier (Liner) als auch beim Ablösen von einer bereits beklebten Oberfläche auftreten kann.
Um das Phänomen technisch einzuordnen, ist der strukturelle Aufbau eines Haftetiketts relevant: Ein typisches Haftetikett besteht aus einem Obermaterial aus Papier oder Folie, einer Haftklebstoffschicht sowie einem mit Silikon beschichteten Trägermaterial, dem sogenannten Liner. Beim Abziehen des Etiketts vom Liner muss sich der Klebstoff von der Silikonoberfläche lösen. Ist die Viskosität oder Kohäsion des Klebstoffs ungünstig eingestellt, zieht er sich dabei in dünne Fäden auseinander, anstatt als geschlossene Schicht am Etiketten-Obermaterial zu verbleiben. Dieses Verhalten ist materialbedingt und hängt unmittelbar von den Eigenschaften des eingesetzten Haftklebstoffs ab.
Für den Etikettendruck ist Fadenziehen aus mehreren Gründen ein relevantes Qualitätskriterium. In automatischen Etikettieranlagen und Print-and-Apply-Systemen werden Haftetiketten kontinuierlich von einer Rolle abgezogen und auf Produkte appliziert. Bildet der Klebstoff dabei Fäden, können sich diese in der Mechanik der Maschine, an Spendekanten oder in der Sensorik verfangen. Die Folge sind Maschinenstillstände, erhöhter Reinigungsaufwand und damit verbundene Produktionsverzögerungen und Mehrkosten. Auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die Prozesssicherheit der gesamten Etikettieranlage werden durch unkontrolliertes Fadenziehen beeinträchtigt.
Aus diesem Grund ist das Abziehverhalten des Haftklebstoffs fester Bestandteil der Qualitätssicherung im Haftetikettenbereich. Etikettenhersteller prüfen vor der Auslieferung, wie sich das Etikett beim Ablösen vom Trägermaterial verhält, um sicherzustellen, dass die Verarbeitung in nachgelagerten Systemen reibungslos funktioniert. Für Käufer und Anwender von Etiketten – etwa in der industriellen Kennzeichnung – bedeutet ein kontrolliertes, möglichst fadenziehfreies Klebstoffverhalten konkret: stabile Prozesse, weniger Ausfälle und die Einhaltung interner Qualitätsvorgaben. Etiketten, die als Prüf-, QS- oder Siegeletiketten eingesetzt werden, müssen darüber hinaus zuverlässig und reproduzierbar applizierbar sein, was ein definiertes Abziehverhalten voraussetzt. Eine spezifische DIN-, ISO- oder EN-Norm, die Fadenziehen direkt regelt, ist in der Fachliteratur nicht ausgewiesen; der Begriff gilt jedoch als etabliertes, praxisrelevantes Qualitätsmerkmal im Haftetikettendruck.