Die Begriffe feste Phase, flüssige Phase und Gasphase bezeichnen die drei grundlegenden Aggregatzustände, in denen ein Stoff vorliegen kann. In der Thermodynamik wird eine Phase als räumlicher Bereich definiert, in dem Materialeigenschaften wie Dichte, Viskosität und chemische Zusammensetzung homogen sind – so die Definition der IUPAC. Im festen Zustand sind die Teilchen eng gepackt und geordnet, im flüssigen Zustand beweglich aber noch in Kontakt, und in der Gasphase weit voneinander entfernt und nahezu wechselwirkungsfrei.
Im Kontext der Klebstofftechnik und des Etikettendrucks sind diese Phasen keine abstrakte Theorie, sondern beschreiben reale Zustände, die Klebstoffe während Herstellung, Verarbeitung und Anwendung durchlaufen. Haftklebstoffe, wie sie für selbstklebende Etiketten eingesetzt werden, liegen während der Produktion zunächst als wässrige Dispersion oder Lösung vor – also in flüssiger Phase. Diese flüssige Phase ermöglicht den gleichmäßigen Auftrag auf das Trägermaterial mittels Walzen- oder Schlitzdüsenauftragswerken. Anschließend wird die Klebstoffschicht getrocknet: Wasser oder Lösungsmittel gehen dabei von der flüssigen in die Gasphase über – ein klassischer Phasenübergang, der durch Trocknungs- und Ofenzonen in der Beschichtungsanlage gesteuert wird. Das Ergebnis ist eine feste beziehungsweise viskoelastische Klebstoffschicht auf dem Etikettenträger. Bei Schmelzklebstoffen, sogenannten Hotmelts, wird der Klebstoff durch Erhitzen von der festen in die flüssige Phase überführt, aufgetragen und durch Abkühlung wieder verfestigt – auch dies sind gezielte Phasenübergänge, die technisch präzise beherrscht werden müssen.
Für den Etikettendruck ist das Verständnis dieser Phasenzustände aus mehreren Gründen praktisch bedeutsam. Hersteller müssen die Phasenübergänge – Trocknung, Abkühlung, Vernetzung – prozesssicher steuern, da sie die mechanischen Eigenschaften der Klebstoffschicht direkt bestimmen: Klebkraft, Kohäsion und Temperaturbeständigkeit entstehen erst durch den kontrollierten Übergang von der flüssigen in die feste Phase. Für Anwender und Käufer von Etiketten ist relevant, dass die Stabilität dieser festen Klebstoffphase im Einsatz über Haftfestigkeit, Ablösbarkeit und Beständigkeit gegen Temperatur sowie Chemikalien entscheidet. Erweicht der Klebstoff bei erhöhter Temperatur und beginnt zu fließen, verlässt er seinen optimalen Phasenzustand – die Etikettierung versagt. Umgekehrt kann ein zu starr eingestellter Klebstoff bei Kälte seine Hafteigenschaften verlieren. Relevante Klebstoffeigenschaften wie Viskosität in der flüssigen Phase oder Kohäsionsmodul in der festen Phase werden durch DIN-Normen geregelt, die die Eignung eines Haftklebstoffs für den jeweiligen Anwendungsfall definieren.