Klebkraft

Klebkraft bezeichnet die messbare Verbindungskraft zwischen einem druckempfindlichen Klebstoff und dem Untergrund, auf dem ein Etikett haftet. Sie gibt an, wie viel Kraft benötigt wird, um den Klebstoff von diesem Untergrund zu lösen, und wird typischerweise im Schälversuch als Kraft pro Streifenbreite in Newton pro 25 Millimeter (N/25 mm) angegeben. Synonyme Bezeichnungen im Fachgebrauch sind Schälkraft und Schälhaftung.

Technisch unterscheidet man zwei Phasen der Klebkraft: die Soforthaftung, auch Tack oder Adhäsion genannt, beschreibt die Anfangshaftkraft unmittelbar nach dem Kontakt zwischen Klebstoff und Substrat. Die Dauerhaftung oder Endklebkraft hingegen ist die Haftkraft nach einer definierten Verweilzeit und entspricht der langfristig wirksamen Verbindungsstärke. Je nach Klebstofftyp entwickelt sich diese Endklebkraft unterschiedlich schnell: Kautschuk-Klebstoffe erreichen ihre volle Klebkraft bereits nach wenigen Stunden, während Acrylat-Klebstoffe deutlich länger brauchen und je nach Umgebungstemperatur bis zu 48–72 Stunden benötigen können, um ihre maximale Haftkraft zu entfalten. Acrylate erreichen dabei in der Regel höhere Endklebkräfte als Kautschuk-Klebstoffe. Die tatsächlich gemessene Klebkraft wird zudem durch Anpressdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Oberflächenbeschaffenheit und -sauberkeit des Untergrunds beeinflusst.

Für den Etikettendruck ist die Klebkraft ein zentrales Auswahlkriterium, das unmittelbar über Funktionssicherheit und Einsatztauglichkeit eines Etiketts entscheidet. Selbstklebende Etiketten bestehen aus Obermaterial, Klebstoffschicht und Liner; die Klebkraft der mittleren Schicht bestimmt das Haftverhalten auf typischen Untergründen wie Glas, Stahl, Kunststoff oder Wellpappe. Prüfinstitute wie Fogra messen die Klebkraft bei definiertem Abzugswinkel von 90° oder 180° sowie festgelegten Wartezeiten von 20 Minuten und 24 Stunden. Bei wiederablösbaren Haftklebstoffen gelten definierte Obergrenzen, beispielsweise weniger als 8 N/25 mm, verbunden mit der Forderung nach rückstandsfreiem Ablösen ohne Klebstoffreste auf der Prüffläche. Permanent haftende Etiketten hingegen erfordern eine möglichst hohe Endklebkraft, um dauerhaft auf dem Untergrund zu verbleiben.

Für Hersteller und Käufer von Etiketten ergibt sich daraus eine klare Anforderung: Die Klebkraftklasse muss zur Anwendung passen. Für raue, staubige oder ölhaltige Oberflächen werden Etiketten mit besonders hoher Klebkraft eingesetzt; schlechte Haftung auf Wellpappe lässt sich etwa durch einen Klebstoff mit höherem Tack, stärkeren Applikationsdruck und saubere Klebeflächen verbessern. Etikettenanbieter klassifizieren ihre Produkte entsprechend in Stufen von geringer bis sehr hoher Klebkraft, damit Anwender das passende System für temporäre Kennzeichnung oder dauerhafte Typenschilder auswählen können.