Der Feuchtigkeitsgehalt bezeichnet im Kontext des Etikettendrucks zum einen den Anteil von Wasser, der in einem Material – insbesondere in Papier – gebunden ist, zum anderen die relative Feuchte der Umgebungsluft, die das Material fortlaufend aufnimmt oder abgibt. Beide Größen sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen direkt die Qualität von Druck und Etikettierung.
Papier und viele Etikettenmaterialien auf Papierbasis sind hygroskopische Stoffe: Sie nehmen Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und geben sie bei trockener Luft wieder ab. Dieser Feuchtigkeitsausgleich verändert Abmessungen und Form des Materials – bei zu hoher Luftfeuchtigkeit dehnt sich das Papier aus, bei zu niedriger Feuchte schrumpft und rollt es. Daneben beeinflussen Feuchtigkeit auch die mechanische Reißfestigkeit und die elektrischen Eigenschaften wie die Neigung zur statischen Aufladung. Als optimaler Klimabereich für Druckprozesse und Papierverarbeitung gelten in der Branche etwa 45–55 % relative Luftfeuchtigkeit bei 20–25 °C.
Für den Etikettendruck ist der Feuchtigkeitsgehalt in drei Bereichen unmittelbar relevant. Erstens im Druckprozess selbst: Ein zu hoher Feuchtigkeitsgehalt im Papier verursacht rauere Oberflächen, Wellen- und Beulenbildung sowie Papierstau in der Druckmaschine; zu niedrige Feuchte führt zu Schrumpfungen, Passerproblemen und statischer Aufladung. Zweitens bei der Applikation: Für die Verarbeitung selbstklebender Etiketten wird eine relative Luftfeuchtigkeit von 40–60 % bei 15–25 °C empfohlen. Zu hohe Umgebungsfeuchte lässt Papieretiketten nach dem Aufbringen Falten oder Blasen bilden; zu trockene Bedingungen erzeugen statische Aufladung, die eine exakte Positionierung erschwert und Staub auf die Klebefläche zieht, was die Haftkraft mindert. Drittens bei der Lagerung: Etikettenrollen sollten unter denselben Klimabedingungen gelagert werden, um feuchtigkeitsbedingte Verformungen und Haftverluste zu vermeiden.
Die Wahl des Etikettenmaterials hängt unmittelbar vom zu erwartenden Feuchtigkeitseinfluss ab. Kunststoffetiketten aus Polypropylenfolie sind feuchtigkeitsbeständig und damit für Anwendungen in feuchter Umgebung – etwa Kühlung oder Außenbereiche – besser geeignet als Papieretiketten. Papieretiketten wiederum lassen sich durch Laminierung oder UV-Lackierung nachträglich schützen: Beide Veredelungsverfahren legen eine transparente Schutzschicht über das Druckbild und erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit, Abrieb und äußere Einflüsse. Eine eigene Produktkategorie bilden Feuchtigkeitsindikator-Etiketten, die Indikatorpunkte enthalten und durch Farbwechsel anzeigen, ob eine Sendung während Transport oder Lagerung definierten Feuchtewerten ausgesetzt war – ein Instrument zur objektiven Qualitätssicherung in der Lieferkette. Gesundheitlich unbedenkliche Ausführungen dieser Etiketten sind ausdrücklich kobalt(II)-chlorid-frei erhältlich.