Im Etikettendruck bezeichnet Gap den freien Zwischenraum zwischen zwei aufeinanderfolgenden Etiketten auf einem Endlosmaterial. Konkret ist damit der sichtbare Bereich des Trägermaterials – auch Liner genannt – gemeint, der zwischen den einzelnen, auf den Liner aufgebrachten Etiketten liegt. Bei mehrbahnigen Etikettenverbänden kann der Begriff neben dem horizontalen Abstand zwischen zwei Etiketten auch den vertikalen Abstand zwischen den Bahnen beschreiben.
Die technische Bedeutung des Gaps liegt in seiner Funktion als Erkennungsmerkmal für den Drucker. Ein im Druckgerät integrierter Gap-Sensor misst den Unterschied in der Lichtdurchlässigkeit oder Lichtreflexion zwischen dem eigentlichen Etikettenmaterial und dem freiliegenden Trägermaterial. Da der Liner im Gap-Bereich dünner und oft transparenter ist als das aufgeklebte Etikett, kann der Sensor diesen Übergang zuverlässig detektieren. Auf Basis dieses Signals bestimmt der Drucker den genauen Startpunkt jedes neuen Etiketts und steuert den Materialvorschub entsprechend. Dieses Verfahren wird insbesondere bei Thermotransferdruckern sowie anderen Etikettendruckern mit automatischer Materialerkennung eingesetzt.
Für die Auswahl, Herstellung und Verarbeitung von Etiketten ist der Gap aus mehreren Gründen direkt relevant. Etiketten bestehen grundsätzlich aus drei Schichten: dem Obermaterial, dem Klebstoff und dem Trägermaterial. Der Gap entsteht durch die Stanzung des Obermaterials und des Klebstoffs, wobei der Liner durchgehend erhalten bleibt. Im Produktionsprozess durchläuft das Endlosmaterial typischerweise Abrollung, Bedruckung, Veredelung, Stanzung und Aufwicklung. Die korrekte Dimensionierung des Gaps ist dabei keine rein ästhetische Frage, sondern eine funktionale: Ist der Abstand zu gering oder unregelmäßig, kann der Sensor den Etikettenanfang nicht präzise erfassen, was zu Fehlpositionierungen im Druck führt. Ist der Gap zu groß, erhöht sich der Materialverbrauch unnötig.
Hersteller und Käufer von Etiketten müssen deshalb sicherstellen, dass die Etikettenrolle für eine Gap-Erkennung geeignet ist. Entscheidend sind dabei der Materialaufbau – also die optischen Eigenschaften von Obermaterial und Liner – sowie die Anordnung der Etiketten auf dem Trägermaterial. Wer Etiketten für den Einsatz in Gap-erkennenden Druckern beschafft, sollte diese Kompatibilität bereits bei der Spezifikation berücksichtigen, um einen reibungslosen Druckprozess und eine korrekte Einzelausgabe der Etiketten zu gewährleisten.