Der Begriff GapMaster bezeichnet ein System zur präzisen Einstellung des Spaltmaßes zwischen Stanzzylinder und Gegenstanzzylinder beim Rotationsstanzen von Selbstklebe-Etiketten. Das System wurde von Kocher+Beck entwickelt und ermöglicht es, diesen Abstand während des laufenden Maschinenbetriebs in mikrometergenauen Schritten zu verändern. Der kleinste Verstellschritt beträgt dabei 0,8 µm bei einem Gesamtverstellweg von ±0,1 mm in der Standardausführung.
Im Stanzaggregat einer Etikettendruck- oder Etikettenverarbeitungsmaschine trägt der Magnetzylinder die flexible Stanzform, während der Gegenstanzzylinder die eigentliche Gegenfläche bildet. Genau an dieser Schnittstelle greift der GapMaster: Die in den Gegenstanzzylinder integrierte Einstellmechanik erlaubt es dem Bediener, den Abstand zwischen beiden Zylindern ohne Maschinenstopp zu korrigieren. Das macht den GapMaster zu einem feinmechanischen Einstellsystem für die kontinuierliche, reproduzierbare Spaltmaßjustage unter Produktionsbedingungen.
Für den Etikettendruck ist das Spaltmaß von zentraler Bedeutung, weil das Rotationsstanzen – genauer das sogenannte Kiss-Cut-Verfahren – eine sehr enge Toleranz erfordert. Bei diesem Verfahren sollen Klebstoff und Deckfolie eines Haftetiketts vollständig durchtrennt werden, die Trägerbahn darunter jedoch unbeschädigt bleiben. Ist das Spaltmaß zu klein, stanzt das Werkzeug in den Träger ein und schwächt ihn; ist es zu groß, bleibt das Etikettenmaterial unvollständig ausgestanzt. Beide Fehler führen zu Problemen beim späteren Spenden der Etiketten, etwa in automatischen Etikettiermaschinen. Da Etikettenmaterialien je nach Lieferung oder Auftragswechsel in ihrer Trägerbahndicke variieren können, muss das Spaltmaß regelmäßig angepasst werden.
Hier liegt der praktische Vorteil des GapMaster-Systems: Materialien mit unterschiedlichen Trägerstärken lassen sich verarbeiten, ohne die Maschine anzuhalten und die Einstellung manuell nachzujustieren. Das verkürzt Rüstzeiten, reduziert Ausschuss und schont gleichzeitig die Stanzwerkzeuge, weil eine dauerhaft zu enge Einstellung vermieden wird. Längere Werkzeugstandzeiten und gleichbleibende Stanzqualität über lange Auflagen sind die direkten Folgen dieser Präzision. Für Käufer von Etiketten bedeutet das in der Praxis: sauber gestanzte Konturen, eine intakte Trägerbahn und damit zuverlässige Verarbeitbarkeit im Etikettierautomaten.
Zu unterscheiden ist der GapMaster von Kocher+Beck vom gleichnamigen taktilen Spaltmessgerät der Firma MFP Messtechnik, das Spaltbreiten in verschiedenen industriellen Prozessen misst, aber keinen spezifischen Bezug zum Etikettendruck aufweist.