Glanzlack bezeichnet im Etikettendruck einen transparenten Beschichtungsstoff mit hohem Glanzgrad, der nach dem Auftragen einen festen, zusammenhängenden Schutzfilm auf der Etikettenoberfläche bildet. Gemäß DIN EN ISO 4618, der maßgeblichen Norm für Begriffe auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe, definiert sich der Glanzgrad über den spiegelnden Reflexionsanteil einer Beschichtung oberhalb einer genormten Mattglasreferenz. Technisch basieren solche Lacke auf Bindemitteln wie Acrylaten oder Polyurethanen und werden als klare Überdrucklacke, auch Etikettenlacke oder Schutzlacke genannt, eingesetzt.
Im Etikettendruck erfolgt der Auftrag von Glanzlack entweder inline, also als letzter Veredelungsschritt direkt in der Etikettendruckmaschine, oder in einem separaten Offline-Prozess. Verfügbar sind wasserbasierte, lösemittelbasierte und UV-härtende Varianten, wobei UV-Lacke aufgrund ihrer schnellen Härtung und hohen Beständigkeit besonders verbreitet sind. Die Härtung oder Trocknung erfolgt je nach Lacktyp mittels Warmluft, Infrarot oder UV-Strahlung über entsprechende Einheiten in der Druckmaschine. Der Lack kann vollflächig auf das gesamte Etikett aufgebracht werden oder selektiv als Spot-Lackierung einzelne Designelemente gezielt hervorheben. Eingesetzt wird er auf einer Vielzahl von Substraten, darunter gestrichene und ungestrichene Papieretiketten sowie Kunststofffolien aus PE, PP oder PET.
Für den Etikettendruck erfüllt Glanzlack zwei zentrale Funktionen: Er schützt das Druckbild und das Trägermaterial vor Schmutz, Feuchtigkeit und Abrieb, und er erzielt eine optisch hochwertige, glänzende Oberfläche. Beides ist in der Praxis eng verknüpft: Selbstklebeetiketten für Lebensmittel- oder Kosmetikverpackungen profitieren von der repräsentativen Wirkung im Regal, während industrielle Kennzeichnungsetiketten vor allem die Schutzfunktion für Barcodes und Piktogramme in anspruchsvollen Umgebungen benötigen. Hersteller müssen dabei sicherstellen, dass der gewählte Lack mit den vorhandenen Druckmaschinen und Lackierwerken kompatibel ist und die mechanischen Eigenschaften des Gesamtsystems, etwa die Schlagfestigkeit folienhaltiger Materialien nach DIN EN ISO 7765-1, nicht unzulässig beeinträchtigt. Qualitätssicherung umfasst die Prüfung von Glanzgrad, Haftung und Beständigkeit nach einschlägigen Prüfverfahren, wie sie beispielsweise in der Normenreihe DIN EN 13523 für bandbeschichtete Oberflächen beschrieben sind. Rechtlich unterliegen Etikettenlacke als chemische Stoffe den Anforderungen der Gefahrstoffverordnung sowie der EU-REACH- und CLP-Verordnung hinsichtlich Inhaltsstoffen, Grenzwerten und Kennzeichnung. Käufer von Etiketten können auf Basis dieser normativen Grundlagen einen definierten Glanzgrad sowie eine nachprüfbare Beständigkeit des Lacksystems spezifizieren und einfordern.