Gussgestrichenes Papier ist ein ein- oder beidseitig hochglänzend gestrichenes Papier oder Karton, dessen Oberfläche im sogenannten Gussstreichverfahren (Cast-Coating) hergestellt wird. Das Ergebnis ist eine extrem glatte, nahezu spiegelnde Oberfläche, die ohne nachträgliche Kalanderung oder Satinage auskommt. In der Papierindustrie ist diese Qualität unter anderem unter dem Handelsnamen Chromolux bekannt.
Das Herzstück der Herstellung ist der heiße, hochpolierte Chromzylinder. Dabei wird eine relativ dicke Streichdispersion – bestehend aus Pigmenten wie Kreide, Kalk und Titandioxid sowie Bindemitteln – auf die Papierbahn aufgetragen. Die noch feuchte Streichschicht kommt anschließend in direkten Kontakt mit dem rotierenden Chromzylinder, auf dem sie anliegend trocknet und dabei geglättet wird. Genau dieser Trocknungsprozess auf der polierten Metalloberfläche erzeugt den charakteristischen Hochglanz. Im Vergleich zu herkömmlich gestrichenen Papieren zeichnet sich gussgestrichenes Papier zusätzlich durch ein relativ hohes Volumen und eine hohe Steifigkeit aus, was beides direkte Folgen des Verfahrens ohne Kalanderung sind.
Für den Etikettendruck ist gussgestrichenes Papier aus mehreren Gründen relevant. Als Obermaterial (Face Stock) selbstklebender Etiketten – kombiniert mit Haftklebstoff und einem Trägermaterial (Liner) – liefert es eine optische Anmutung, die kaum von Kunststoff- oder Folienetiketten zu unterscheiden ist. Genau deshalb wird es bevorzugt dort eingesetzt, wo ein hochwertiges, edles Erscheinungsbild gefragt ist: bei Luxusverpackungen, Markenetiketten oder Promotionprodukten. Die hohe Steifigkeit und das Volumen des Materials wirken sich außerdem positiv auf Bahnführung, Stanzverhalten und Planlage im Druck- und Weiterverarbeitungsprozess aus.
Hinsichtlich der Drucktechnologien ist gussgestrichenes Papier aufgrund seiner sehr glatten Oberfläche besonders gut für den Thermotransferdruck geeignet – ein relevanter Aspekt überall dort, wo variable Daten, Barcodes oder industrielle Kennzeichnungen gedruckt werden müssen. Grundsätzlich lässt sich das Material je nach Beschichtung und Herstellerfreigabe auch in anderen gängigen Etikettendruckverfahren wie Flexo-, Offset- oder Digitaldruck verarbeiten.
Käufer und Anwender sollten beachten, dass die Materialfreigabe für die jeweils eingesetzte Drucktechnologie unbedingt zu prüfen ist. Bei der Verarbeitung in Büro- oder Produktionsdruckern sind zudem Medieneinstellungen, Papiergewichtsvorgaben sowie Lagerbedingungen von 20–23 °C und 50–55 % relativer Luftfeuchtigkeit einzuhalten, um einwandfreie Druckergebnisse und Gerätesicherheit zu gewährleisten. Als Alternative zu Folienetiketten bietet gussgestrichenes Papier eine materialtechnisch andere Option, wenn Glanz und Design im Vordergrund stehen.