Ink Trapping (Farbannahme im Nass-in-Nass-Druck)

Ink Trapping, im Deutschen als Farbannahme im Nass-in-Nass-Druck bezeichnet, beschreibt die Fähigkeit einer nachfolgend aufgetragenen Druckfarbe, auf einer bereits gedruckten, aber noch nicht getrockneten Farbschicht anzuhaften und einen vollständigen Farbübertrag zu ermöglichen. Der Begriff ist damit ein Maß dafür, wie gut sich mehrere Farben im Mehrfarbendruck ohne Zwischentrocknung übereinander drucken lassen. Je höher der Trapping-Wert, desto vollständiger wird die nachfolgende Farbe von der noch feuchten Erstschicht angenommen.

Im Nass-in-Nass-Druck treffen die zweite, dritte oder vierte Farbe nicht auf den unbedruckten Bedruckstoff, sondern ganz oder teilweise auf eine bereits feuchte Farbschicht, deren Oberflächeneigenschaften und Zügigkeit sich von denen des Substrats erheblich unterscheiden. Um die Farbannahme zu fördern, werden nachfolgende Farben in der Regel mit geringerer Zügigkeit formuliert als die erste Farbe. Im Offsetdruck mit pastösen Farben verändert sich die Zügigkeit der Erstschicht bereits innerhalb von Zehntelsekunden durch Wasserentzug in den Bedruckstoff, was die Trapping-Bedingungen unmittelbar beeinflusst. Zur quantitativen Erfassung wird der Trapping-Wert als Prozentzahl berechnet, beispielsweise nach den etablierten Messmodellen von Preucil, Ritz oder Brunner, die densitometrisch aus den Dichten der Einzelfarben und des Zusammendrucks ermittelt werden. Erfahrungsgemäß werden Defizite in der Farbannahme erst ab etwa zehn Prozent als sichtbar störend wahrgenommen.

Für den Etikettendruck ist Ink Trapping ein kritischer Prozessparameter überall dort, wo mehrfarbige Motive in einem Durchgang ohne Zwischentrocknung gedruckt werden, etwa im Vierfarb-Skalendruck für Markenartikel- oder Lebensmitteletiketten. Auf saugfähigen Papiersubstraten dringt Wasser aus der feuchten Farbschicht vergleichsweise schnell in den Bedruckstoff ein, was die Trapping-Bedingungen stabilisiert. Auf nicht saugfähigen Materialien wie PE-beschichtetem Karton oder BOPP-Folie, wie sie typischerweise für Tiefkühlprodukte oder Margarinedeckel-Etiketten eingesetzt werden, entfällt dieser Mechanismus weitgehend, weshalb Ink Trapping hier deutlich schwerer zu beherrschen ist und als ein „Eiertanz“ beschrieben wird. Unzureichende Farbannahme führt zu sichtbaren Aussetzern im Druckbild, abgeschwächten Volltönen, abweichenden Farbtönen und einem eingeengten darstellbaren Farbraum. Für Etikettenkäufer mit hohen Anforderungen an Farbkonstanz und Reproduzierbarkeit, etwa im Markenartikel-, Pharma- oder Kosmetikbereich, ist eine kontrollierte Farbannahme damit ein unmittelbares Qualitätskriterium, das über densitometrische Messungen im Rahmen der Druckprozesskontrolle überprüft werden kann.