Der Begriff „Kalter Fluss“ (englisch: Cold Flow) ist in der Polymerchemie und Beschichtungstechnologie bekannt, bezeichnet dort die Filmbildung von Polymerdispersionen beim Trocknen von Beschichtungen und beschreibt damit ein materialspezifisches Phänomen auf molekularer Ebene. In den einschlägigen Fachquellen zum Etikettendruck, zur Etikettenverarbeitung und zu Haftklebstoffen lässt sich dieser Begriff jedoch nicht als definierter, etablierter Terminus nachweisen. Er wird in diesem Bereich weder durch Normen noch durch branchenweite Standards erfasst oder als spezifische Materialeigenschaft ausgewiesen.
Im technischen Kontext von Polymerbeschichtungen bezeichnet „kalter Fluss“ die Fähigkeit einer Polymerdispersion, beim Trocknungsvorgang ohne Wärmezufuhr einen zusammenhängenden Film zu bilden. Dieser Vorgang ist abhängig von der Glasübergangstemperatur des jeweiligen Polymers sowie von den Umgebungsbedingungen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Da Haftklebstoffe für Etiketten häufig auf Polymeremulsionen – etwa auf Acrylatbasis – beruhen, berührt dieses physikalische Prinzip grundsätzlich die Herstellung solcher Klebstoffe. In den zugänglichen Fachinformationen zu Etikettenklebstoffen – ob permanente, ablösbare, tiefkühlgeeignete oder spezifisch für feuchte Oberflächen ausgelegte Systeme – wird „kalter Fluss“ als Begriff jedoch nicht verwendet. Hersteller und Verarbeiter beschreiben diese Klebstoffsysteme stattdessen anhand von Eigenschaften wie Haftungsstärke, Temperaturbeständigkeit, Ablösbarkeit sowie Beständigkeit gegenüber Wasser, Chemikalien, Öl und UV-Licht.
Für die Praxis im Etikettendruck bedeutet dies: Kaufentscheidungen und Materialspezifikationen orientieren sich an klar definierten und belegten Kategorien. Wer Etiketten für Tiefkühlanwendungen benötigt, wählt einen dafür zertifizierten Tiefkühlkleber, der Haftung bereits ab etwa 4 °C und darunter gewährleistet. Wer Etiketten auf feuchten oder schwierigen Untergründen wie HDPE, PP oder Glas verarbeitet, greift auf spezifisch getestete Klebstoffsysteme zurück, die nach nachvollziehbaren Parametern ausgewählt werden. Der Begriff „kalter Fluss“ taucht in diesen Entscheidungsprozessen, in Produktbeschreibungen von Etikettenmaterialien oder in Verarbeitungshinweisen zu Etikettiermaschinen und Spendeaggregaten nicht auf. Für Einsteiger wie für Fachleute gilt daher gleichermaßen: Wer im Umfeld des Etikettendrucks nach diesem Begriff sucht, findet in der verfügbaren Fachliteratur und in branchenüblichen Informationsquellen keine definierte, normativ hinterlegte Verwendung. Das Phänomen selbst gehört in den Bereich der Grundlagenchemie von Beschichtungen – seine direkte Entsprechung im Etikettendruck-Fachjargon ist bislang nicht dokumentiert.