Die Klischeeherstellung bezeichnet die technische Fertigung einer erhabenen Druckform – des sogenannten Klischees –, die anschließend im Hoch- oder Flexodruckverfahren zum Einsatz kommt. Bei einer solchen Druckform liegen die druckenden Partien höher als die nichtdruckenden Bereiche, sodass die Druckfarbe selektiv auf den Bedruckstoff übertragen wird. Im Kontext des Etikettendrucks ist die Klischeeherstellung ein zwingend notwendiger Vorstufenprozess: Aus digitalen Druckdaten wird zunächst ein physisches Klischee erzeugt, bevor der eigentliche Druckbetrieb auf der Etikettenmaschine beginnen kann.
Je nach Anwendung und Technologiestand werden Klischees aus unterschiedlichen Materialien gefertigt. Traditionell kamen Metalle wie Zink und Kupfer zum Einsatz, während in der modernen Etikettenproduktion überwiegend Photopolymerplatten verwendet werden. Die Herstellung erfolgt entweder fotochemisch – durch Belichtung der Platte mit einem Film oder einem digital erzeugten Motiv sowie anschließender Entwicklung und Auswaschung der nichtdruckenden Bereiche – oder mechanisch, etwa durch Fräsen und Gravieren. Zeitgemäße Flexo-Vorstufen nutzen darüber hinaus digitale CTP-Belichtung sowie spezielle Oberflächenstrukturen wie Flat Top Dots oder Microcell-Strukturen, die unter Oberbegriffen wie Full-HD-Flexo bekannt sind und die Druckqualität gezielt verbessern.
Für den Etikettendruck ist die Klischeeherstellung aus mehreren Gründen zentral. Erstens bestimmt die Qualität des Klischees unmittelbar das Druckergebnis: Schärfe des Druckbilds, Tonwertwiedergabe, Feinzeichnung und Farbübertragung hängen direkt davon ab, wie präzise die Druckform gefertigt wurde. Zweitens ist das Klischee die Grundlage für die hohe Auflagenstabilität, die der Flexodruck bei selbstklebenden und industriellen Etiketten ermöglicht – ein wesentlicher Vorteil für Großserien. Drittens beeinflusst die Klischeequalität in Kombination mit Etikettenmaterial, Kleber und Druckverfahren die Beständigkeit des Etiketts unter chemischer, mechanischer oder thermischer Belastung, was besonders für Typenschilder, CE-Etiketten, Warn- und Sicherheitskennzeichnungen relevant ist.
Für Käufer von Etiketten – etwa Maschinenbauer, Fertigungs- oder Logistikunternehmen – ist die Klischeeherstellung meist ein indirekter Faktor, der jedoch Einrichtungskosten, Mindestauflagen und die erreichbare Druckqualität beeinflusst. Die Organisation der Klischeeherstellung liegt in der Regel beim Etikettenhersteller oder dessen Repro-Dienstleister. Wer Etiketten mit hohen Anforderungen an Lesbarkeit, Rückverfolgbarkeit oder gesetzliche Kennzeichnungspflichten beschafft – zum Beispiel mit Barcodes, QR-Codes oder CE-Zeichen –, sollte bei der Lieferantenauswahl die eingesetzte Klischee- und Drucktechnologie ausdrücklich berücksichtigen.