Kraftpapier ist eine Papierqualität, die aus Sulfat-Zellstoff hergestellt wird. Für den Einsatz im Etikettendruck wird es häufig als langfaseriges, harzreiches Material mit hoher Festigkeit beschrieben. Charakteristisch ist die braune Farbe sowie eine oft gerippte, maschinengeglättete Oberfläche.
Im Etikettendruck wird Kraftpapier als Obermaterial für selbstklebende Etiketten eingesetzt. Es bildet die oberste Schicht eines Etikettenverbunds, der aus drei Komponenten besteht: dem Kraftpapier als bedruckbare Oberfläche, einer darunter liegenden Klebstoffschicht sowie einem Trägerband, dem sogenannten Liner, aus Papier oder Folie. Dieser Verbund wird industriell hergestellt, indem das Obermaterial mit Klebstoff versehen und mit dem Trägerband zusammengeführt wird. Die so entstandene Materialrolle wird anschließend auf geeignete Breiten von typischerweise 250 bis 500 Millimetern und Längen von bis zu etwa 4.000 Metern konfektioniert, bevor sie auf Etikettendruckmaschinen verarbeitet wird. Dort durchläuft das Material die Stationen Bedrucken, Veredeln, Stanzen und Aufwickeln. Als Druckverfahren kommen unter anderem Flexodruck und Digitaldruck zum Einsatz, außerdem ist Kraftpapier in laserdruckertauglichen Formaten für Bürodrucker erhältlich.
Für den Etikettendruck ist Kraftpapier aus mehreren Gründen relevant. Erstens liefert das Material eine spezifische Optik und Haptik: Die braune, naturbelassene Erscheinung verleiht Etiketten eine ökologische Anmutung, Varianten ohne optische Aufheller werden entsprechend als umweltorientierte Lösung vermarktet. Zweitens stellt die strukturierte und dunkle Papieroberfläche drucktechnische Anforderungen, insbesondere an die Lesbarkeit von Barcodes und 2D-Codes, da ausreichender Kontrast und korrekte Ruhezonen sichergestellt werden müssen. Drittens müssen Hersteller bei der Materialauswahl die Kombination aus Kraftpapier-Obermaterial, Klebstoff und Träger auf den jeweiligen Einsatzzweck abstimmen, beispielsweise hinsichtlich permanenter oder ablösbarer Haftung sowie der Eignung für bestimmte Zieloberflächen. Für industrielle Anwendungen wie die Kennzeichnung von Getränkeflaschen existiert zudem ein Standard-Leistungsbild des Bundesverbands Druck und Medien, das Anforderungen an Druckbild, Haftung, Dimensionsstabilität und Verarbeitbarkeit von Papieretiketten definiert und damit auch für Kraftpapier-Etiketten in diesem Segment maßgeblich ist. Käufer wählen das Material wegen seiner besonderen Haptik und dem naturbelassenen Erscheinungsbild, müssen jedoch gleichzeitig prüfen, ob es mit den vorhandenen Drucksystemen und den konkreten Anforderungen des Kennzeichnungsprozesses kompatibel ist.