Optische Aufheller (OBA, Optical Brightening Agents) sind fluoreszierende chemische Substanzen, die UV-Licht im Bereich von etwa 300–400 nm absorbieren und es als sichtbares blaues Licht im Bereich von etwa 400–500 nm wieder emittieren. Dieser Effekt erhöht den wahrgenommenen Weißgrad und die Helligkeit eines Substrats und verschiebt dessen Farbton von Gelb in Richtung Blau. Synonyme Bezeichnungen sind Fluorescent Whitening Agents (FWA) und Fluorescent Brightening Agents (FBA).
In der Papierindustrie kommen überwiegend Derivate der Diaminostilben-Disulfonsäure sowie Stilben-, Benzoxazol- und Triazol-Aufheller zum Einsatz. OBAs werden dabei auf verschiedenen Wegen in das Substrat eingebracht: als Zusatz zur Papiermasse, über die Film- oder Leimpresse oder eingebettet in pigmentierte Streichmassen. Da die Hauptbestandteile von Streichfarben OBAs nicht ausreichend fixieren, sind spezielle Trägersubstanzen (Carrier) erforderlich. Darüber hinaus werden optische Aufheller in Druckfarben, Kunststoffen, Beschichtungen und Lacken eingesetzt.
Für den Etikettendruck sind OBAs aus mehreren Gründen unmittelbar relevant. Viele Etikettenpapiere – gestrichene wie ungestrichene – sowie Verpackungsmaterialien enthalten optische Aufheller, um ein brillantes, hochwertiges Erscheinungsbild zu erzielen. Dieser sogenannte „Weißer-als-Weiß“-Effekt kann jedoch je nach Lichtquelle – Tageslicht, Ladenbeleuchtung oder Haushaltslicht – unterschiedlich ausfallen, was die visuelle Konsistenz eines Etiketts in verschiedenen Umgebungen beeinflusst.
Das gravierendste Problem im produktionstechnischen Alltag ist die messtechnische Herausforderung: Spektralphotometer ohne UV-Kontrolle erfassen den Blaustich der OBA-Fluoreszenz als Farbabweichung, während das menschliche Auge das Material schlicht als helles Weiß wahrnimmt. Die Folge sind verfälschte Messwerte und fehlerhafte ICC-Profile, die beispielsweise einen Gelbstich erzeugen, weil das Gerät den gemessenen Blaustich zu kompensieren versucht. Für korrekte Messungen an OBA-haltigen Substraten sind daher Farbmessgeräte mit UV-Steuerung und OBA-Korrektur (OBC) erforderlich, wie sie die ISO 13655 mit ihren definierten Messbedingungen (M-Standards) vorsieht.
Etikettenhersteller müssen die OBA-Eigenschaften ihres Substrats bei Profilierung, Proofing und laufender Prozesskontrolle berücksichtigen, damit Messwerte und visuelle Wahrnehmung übereinstimmen. Für Markeninhaber und Einkäufer kommt hinzu, dass die Wirkung optischer Aufheller mit der Zeit nachlässt und das Substrat in seine ursprünglichere, gelblichere Farbe zurückkehrt – ein Faktor, der bei längerer Lagerdauer von Etiketten an Bedeutung gewinnt. Schließlich beeinflusst die Substratwahl mit oder ohne OBA die Reproduzierbarkeit des Erscheinungsbilds zwischen verschiedenen Druckereien oder Produktionschargen und ist damit eine kritische Größe für farbverbindliche Kommunikation entlang der gesamten Lieferkette.