Längsschneiden

Längsschneiden bezeichnet im Etikettendruck das Trennen einer Etiketten- oder Folienbahn entlang ihrer Laufrichtung in zwei oder mehr schmalere Bahnen. Dieser Schnitt erfolgt mithilfe spezieller Schneidaggregate, typischerweise rotierender Messer oder Rundmessersysteme nach dem Scherenschnittprinzip. Das Längsschneiden ist damit klar von Quer- oder Konturschnitten abzugrenzen und bezeichnet ausschließlich die bahnparallele Teilung des Materials.

Der Prozess findet als Konfektionierungsschritt statt, meist inline nach dem Druck oder nach dem Stanzen der Etiketten. Eine wichtige Besonderheit in der Etikettenkonfektionierung ist die Kombination von Entgittern und Längsschneiden in einem einzigen Durchgang: Während das Entgittern überschüssiges Trägermaterial nach dem Stanzen entfernt, teilt der Längsschneider gleichzeitig die verbleibende Etikettenba hn in die gewünschten schmaleren Streifen, die anschließend separat aufgewickelt werden. Hersteller wie VIPColor bezeichnen solche Systeme explizit als Längsschneider für vorgestanzte Etiketten. Daneben existieren im Umfeld der Etikettenendfertigung auch Systeme wie die POLAR-Schneidanlagen von Heidelberg, die auf hochautomatisierte, präzise Produktion rechtwinklig geschnittener Etiketten ausgelegt sind und ebenfalls Längsschnittprozesse integrieren.

Für den Etikettendruck ist das Längsschneiden aus mehreren Gründen zentral. Verarbeitet werden typischerweise Kunststofffolien wie Polyester, Polycarbonat oder PVC sowie Papieretikettenmaterialien, wie sie etwa in der Fahrzeug-, Elektronik- oder Maschinenbauindustrie als Folienschilder und Typenschilder eingesetzt werden. Da industrielle Etiketten überwiegend als Rollenware für automatische Etikettiersysteme bereitgestellt werden, muss die Rollenbreite exakt auf die jeweilige Etikettiermaschine abgestimmt sein. Abweichungen in der Bahnbreite oder Mängel in der Schnittqualität können im laufenden Betrieb automatischer Applikatoren zu Störungen führen. Präzises Längsschneiden ist daher eine direkte Voraussetzung für störungsarme Verarbeitungsprozesse beim Endanwender.

Für Etikettendruckereien und Konfektionierungsbetriebe bedeutet das Längsschneiden zusätzlich eine erhebliche Flexibilität: Eine ursprünglich breite, bedruckte und vorgestanzte Bahn lässt sich in mehrere kundenindividuelle Rollenbreiten aufteilen, was gerade bei kleinen und mittleren Auflagen die Wirtschaftlichkeit steigert. Für den Käufer von Etiketten wiederum garantiert präzise längsgeschnittene Rollenware die maßgenaue Passform für seine Kennzeichnungssysteme und damit eine dauerhaft lesbare, normgerecht verarbeitbare Kennzeichnung. Im Vergleich zum Laserschneiden, das konturgenaue Freiformschnitte ermöglicht, ist das Längsschneiden das geeignete Standardverfahren, wenn ausschließlich geradlinige, bahnparallele Trennungen in großen Mengen effizient ausgeführt werden müssen.