Ledereffekt-Lack bezeichnet eine Beschichtung, die einer Oberfläche optisch und haptisch das Erscheinungsbild von Leder verleiht. Es handelt sich dabei nicht um einen einzelnen Lack, sondern in der Regel um ein mehrschichtiges System, dessen konkrete chemische Zusammensetzung je nach Hersteller variiert. Als eigenständige, normierte Produktkategorie im technischen Etikettendruck ist der Begriff bislang nicht etabliert.
Technisch basieren dokumentierte Ledereffekt-Lacksysteme auf dem Zusammenspiel mehrerer Schichten: In einem belegten industriellen Anwendungsfall werden eine pigmentierte Grundierung, ein Effektlack zur Erzeugung charakteristischer Risse sowie ein abschließender Decklack kombiniert. In einem anderen beschriebenen System wird ein NC-Grundlack (Nitrocellulose-Grundlack) mit einem sogenannten Reißlack überlagert, wobei die gezielte Rissbildung die lederähnliche Oberflächenstruktur erzeugt. Diese Verfahren sind jedoch vorrangig aus dem Möbel- und Dekorbereich bekannt, wo entsprechende Oberflächen etwa auf MDF-Platten oder Spanplatten realisiert werden.
Für den Etikettendruck ist der Begriff mit einer wichtigen Einschränkung zu betrachten: In den zugänglichen Fachquellen taucht „Ledereffekt-Lack“ nicht als explizit benannte Standardveredelung für Etiketten auf. Etikettenhersteller und -druckereien arbeiten mit einer Reihe anderer belegter Lackveredelungen, darunter Glanzlack, Mattlack, Thermotransferlack, Spotlack sowie haptische Spezialeffektlacke wie Soft-Touch oder Iriodin-Lack. Diese Lacke werden üblicherweise inline im Rollenetikettendruck aufgetragen, etwa über Lackierwerke in Flexodruck-, Offset- oder Digitaldruckanlagen. Digitale Spotlacke erlauben dabei eine präzise, PDF-gesteuerte Platzierung auf definierten Designflächen.
Wer als Etikettenersteller oder Käufer eine lederähnliche Oberflächenwirkung anstrebt, muss daher zunächst klären, ob ein entsprechender Effekt im jeweiligen Druckbetrieb überhaupt umsetzbar ist, da spezifische Lacksysteme dieser Art für den Etikettendruck weder als Standardprodukt dokumentiert noch in öffentlich zugänglichen Portfolios gelistet sind. Haptische Differenzierungen sind im Etikettenbereich grundsätzlich möglich und dienen der Markenwirkung sowie der Produktdifferenzierung am Point of Sale, werden aber mit anderen, etablierten Veredelungstechniken realisiert. Wer einen solchen Effekt für Etiketten realisieren möchte, sollte frühzeitig mit dem Druckdienstleister die technische Machbarkeit, die Kompatibilität mit dem gewählten Substrat sowie die Eignung für nachgelagerte Prozesse wie Thermotransferbedruckung oder Laserkennzeichnung abstimmen. Verbindliche Normen oder Vorschriften, die einen Ledereffekt-Lack im Etikettendruck explizit regeln, sind in den vorliegenden Fachquellen nicht dokumentiert.