Eine leimfreie Zone bezeichnet im Etikettendruck einen definierten Bereich eines Haftetiketts, in dem kein haftender Klebstoff wirksam ist. Das Etikett klebt in diesem Bereich bewusst nicht auf dem Untergrund, während es in den übrigen Flächen seine volle Haftfunktion behält. Der Begriff wird in der Etikettenindustrie auch als Leimneutralisierung bezeichnet.
Technisch wird eine leimfreie Zone auf zwei Wegen erzeugt: Entweder wird der Klebstoff in den entsprechenden Bereichen von vornherein nicht aufgetragen, oder er wird nachträglich durch einen gezielt applizierten Silikonlack neutralisiert. Dieser Silikonlack lässt sich mittels eines Klischees, also einer Druckform wie sie im Flexo- oder Buchdruck verwendet wird, partiell und präzise auftragen. Das Ergebnis ist ein Etikett, dessen Klebstoffschicht nur in ausgewählten Teilflächen aktiv ist. Lage und Größe der leimfreien Zone werden nach den jeweiligen Anwendungsanforderungen festgelegt und sind frei wählbar. Die Herstellung gilt in der Branche als Veredelungstechnik und erfordert einen zusätzlichen Prozessschritt in der Etikettenproduktion.
Für den Etikettendruck ist das Konzept der leimfreien Zone aus mehreren Gründen relevant. Bei der Materialauswahl und Konstruktion eines Etiketts bestimmt sie maßgeblich, wie das Etikett mit dem Untergrund interagiert und welche Zusatzfunktionen es erfüllen kann. Typische Anwendungen sind Anfass- und Öffnungslaschen, etwa bei Taschentuch- oder Getreideverpackungen: Die leimfreie Zone bildet eine abstehende Lasche, die sich leicht greifen und anheben lässt, ohne dass der Klebstoff dort stört. Dasselbe Prinzip ermöglicht Wiederverschlussetiketten, bei denen das Etikett nach dem Öffnen wieder angedrückt werden kann. In der Logistik werden leimfreie Zonen genutzt, um abtrennbare Kontrollzettel oder Teilflächen zu integrieren, die sich im Prozess weiterverwenden lassen. Auch bei Banderolen und Tragegriffen sorgen sie dafür, dass bestimmte Bereiche nicht am Packgut haften. Darüber hinaus lassen sich durch leimfreie Zonen verdeckte Informationsbereiche realisieren, zum Beispiel Gewinncodes oder Zusatzangaben, die erst durch Anheben des nichtklebenden Abschnitts sichtbar werden.
Für Etikettenentwickler und Einkäufer bedeutet das konkret: Wer leimfreie Zonen benötigt, muss diese bereits in der Spezifikation festlegen, da sie einen eigenen Fertigungsschritt erfordern und die Wahl der Produktionsanlage beeinflussen. Standardetiketten mit vollflächigem Klebstoffauftrag sind hierfür nicht geeignet. Da es keine spezifische DIN- oder ISO-Norm gibt, die den Begriff unmittelbar definiert, handelt es sich um einen anwendungsbezogenen Fachbegriff der Etikettenindustrie, dessen Umsetzung im Rahmen allgemeiner Etiketten- und Verpackungsanforderungen erfolgt.