Linerlose Logistik bezeichnet die logistischen Prozesse rund um den Einsatz von trägerlosen Etiketten – also selbstklebenden Etikettenrollen, die vollständig ohne silikonbeschichtetes Trägermaterial (Liner) auskommen. Da die gesamte Rolle aus nutzbarem Etikettenmaterial besteht, entfällt das Trägerpapier, das bei herkömmlichen Etiketten nach dem Druck abgezogen und entsorgt werden muss. Der Begriff steht damit für eine auf Materialreduktion ausgerichtete Form der Etikettierung, die insbesondere in Logistikzentren, der Lebensmittelindustrie und im Versandbereich eingesetzt wird.
Technisch beruht das Verfahren auf einem endlosen Etikettenband, das im Drucker auf die jeweils benötigte Länge geschnitten wird. Ein integriertes Messer im Drucker übernimmt dabei die Konfektionierung, sodass variable Etikettenlängen möglich sind, ohne auf vorgestanzte Formate angewiesen zu sein. Damit das aufgerollte Band nicht unkontrolliert verklebt, kommt ein Spezialkleber zum Einsatz, der eine kontrollierte Haftung auf der darunterliegenden Druckfläche ermöglicht. Gedruckt wird typischerweise im Thermodirektverfahren, also ohne Thermotransferband, wodurch weder Trägerfolie noch Farbbandabfall anfällt. Linerless-Etiketten erfordern spezielle, damit kompatible Drucker; herkömmliche Etikettendrucker sind für dieses Material nicht geeignet. Ein praktisches Beispiel liefert LAPP, das in seinem Logistikzentrum Linerless-Labels von Zebra Technologies zur Kennzeichnung von Kabeltrommeln, Kartons und Paletten einsetzt.
Für den Etikettendruck ist linerlose Logistik aus mehreren Gründen relevant. Materialseitig ermöglicht der Wegfall des Liners eine deutlich höhere Etikettenanzahl pro Rolle: LAPP berichtet von 748 statt zuvor 475 Etiketten je Rolle, TSC nennt generell rund 40 Prozent mehr Etiketten pro Rolle. Das reduziert Rollenwechsel, Lagerbedarf und Transportaufwand. Zugleich vereinfacht die variable Schnittlänge die Sortimentshaltung, da weniger unterschiedliche Etikettenformate beschafft und bevorratet werden müssen. TSC beziffert die Abfallreduktion gegenüber klassischen Lösungen auf bis zu 50 Prozent und nennt eine vergleichbare Reduktion der CO₂-Emissionen. Diese Angaben sind jedoch nicht unumstritten: Paperdrive stellt in einer eigenen Analyse fest, dass die aufwendigere und energieintensivere Herstellung von Linerless-Material den ökologischen Gesamtnutzen begrenzt und keine spürbare CO₂-Einsparung gegenüber klassischen Papieretiketten mit Thermotransferband ergibt. Hinzu kommen auf der Kostenseite teils höhere Materialpreise und ein erhöhter Wartungsaufwand, da Kleberrückstände im Drucker entstehen können. Wer auf linerlose Logistik umstellt, muss also sowohl in spezialisierte Druckhardware investieren als auch prüfen, ob die verfügbaren Materialvarianten zu den jeweiligen Einsatzbedingungen – etwa Temperatur, Feuchtigkeit oder Untergrundmaterial – passen.