Materialreduktion bezeichnet im Etikettendruck die gezielte Verringerung der eingesetzten Materialmenge eines Etikettensystems – konkret der Schichtdicken von Obermaterial, Klebstoffträger und gegebenenfalls Trägerpapier – bei gleichzeitiger Beibehaltung aller funktionalen Eigenschaften. Ziel ist es, Ressourcenverbrauch, Abfallaufkommen und den Energiebedarf beim Transport zu senken, ohne dass Haftung, Bedruckbarkeit oder Maschinengängigkeit der Etiketten leiden.
Technisch wird Materialreduktion im Etikettendruck auf mehreren Wegen umgesetzt. Der direkteste Ansatz ist die Verwendung dünnerer Basismaterialien, also dünnerer Folien- oder Papierqualitäten als Obermaterial. Das Prinzip lautet dabei, das Material so dünn wie möglich zu halten, ohne seine technologischen Eigenschaften zu beeinträchtigen. Dünnere Obermaterialien ermöglichen nachweislich Materialeinsparungen von rund 10 bis 20 Prozent. Ein weiterer Effekt ist, dass auf einer Rolle bei gleichem Außendurchmesser deutlich mehr Etiketten Platz finden, was Produktionslaufzeiten verlängert, Rollenwechsel reduziert und Lager- sowie Transportvolumen senkt. Eine konsequente Weiterentwicklung dieses Ansatzes ist die linerlose Etikettierung: Hierbei wird das Trägerpapier vollständig eingespart, was nicht nur Rohmaterial reduziert, sondern auch die Abfallmenge auf Anwenderseite erheblich verringert. Der Betrieb linnerloser Systeme erfordert speziell angepasste Druck- und Etikettiertechnik, da herkömmliche Spendemechaniken auf das Trägerpapier ausgelegt sind.
Für den Etikettendruck ist Materialreduktion aus mehreren Gründen unmittelbar praxisrelevant. Hersteller von Etiketten profitieren von geringerem Rohmaterialbedarf und niedrigeren Produktions- und Logistikkosten. Anwender – also Unternehmen aus Industrie, Lebensmittel-, Kosmetik- oder Logistikbranchen, wo große Etikettenvolumina verarbeitet werden – profitieren von weniger Rollenwechseln, geringerem Lageraufwand und einer reduzierten Abfallmenge im Betrieb. Materialreduktion wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als erster Schritt in einem übergeordneten Nachhaltigkeitskonzept im Sinne der Kreislaufwirtschaft verstanden. In diesem Zusammenhang stehen auch Anforderungen aus dem Verpackungsrecht, etwa die Recyclingfähigkeit von Etiketten: Materialreduzierte Etiketten, die sich sauber von der Verpackung ablösen lassen, unterstützen die Einhaltung entsprechender Vorgaben. Unternehmen, die interne Nachhaltigkeitsziele verfolgen oder gesetzliche Verpackungs- und Recyclinganforderungen erfüllen müssen, finden in materialreduzierten Etikettenlösungen ein konkretes, technisch umsetzbares Instrument – vorausgesetzt, die funktionalen Anforderungen an das Etikett bleiben im jeweiligen Anwendungsfall vollständig erfüllt.