Im Kontext des industriellen Etikettendrucks bezeichnet „lösemittelfrei“ Druckfarben-, Lack- und Klebstoffsysteme, die ohne flüchtige organische Lösemittel (VOC) formuliert sind. Das Bindemittel liegt dabei weitgehend als Feststoff vor und wird nicht in verdampfende Lösemittel gelöst. Als lösemittelfreie Alternativen gelten insbesondere wasserbasierte Systeme sowie 100-%-UV-reaktive Formulierungen, die unter UV-Licht vernetzen, ohne dass Lösemittel verdampft.
Im Etikettendruck kommen lösemittelfreie Systeme in drei zentralen Bereichen zum Einsatz. Erstens bei den Druckfarben: Wasserbasierte Flexo- und Tiefdruckfarben nutzen Wasser als Hauptträger statt organischer Lösemittel, während UV-Flexofarben durch Bestrahlung mit UV-Licht aushärten und dabei keinerlei Lösemittelemissionen erzeugen. Zweitens bei Lacken und Veredelungen: UV-Lacke werden auf Schmalbahn-Etikettendruckmaschinen zur Oberflächenveredelung eingesetzt und ermöglichen durch ihre sofortige Aushärtung eine unmittelbare Weiterverarbeitung – also direktes Stanzen, Veredeln und Aufwickeln im selben Prozessschritt. Drittens bei Klebstoffen: Für druckempfindliche Selbstklebeetiketten werden lösemittelfreie Hotmelt-Klebstoffe sowie UV-Acrylatklebstoffe verwendet, die im Gegensatz zu lösemittelbasierten Systemen keine Emissionen während der Verarbeitung erzeugen.
Für den Etikettendruck ist die Unterscheidung zwischen lösemittelfreien und lösemittelbasierten Systemen aus mehreren Gründen praxisrelevant. Hersteller profitieren von reduzierten VOC-Emissionen, was die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zu Emissionen sowie zum Arbeits- und Explosionsschutz erleichtert. Gleichzeitig sinkt der Aufwand für Lösemittellagerung, Abluftreinigung und Lösemittelrückgewinnung. UV-Systeme erlauben zudem höhere Maschinengeschwindigkeiten auf schmalbahnigen Etikettendruckmaschinen, die typischerweise 250 bis 500 mm Bahnbreite verarbeiten. Für Etikettenanwender ist die lösemittelfreie Ausführung besonders in regulierten Märkten entscheidend: Bei Etiketten für Lebensmittel, Getränke, Kosmetik und Pharma verlangen EU-Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit emissionsarme, migrationsarme Farben und Klebstoffe. Lösemittelfreie Systeme helfen dabei, diese Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig Geruchsbelastungen auf dem fertigen Etikett zu minimieren. Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitszielen wird die lösemittelfreie Produktion von Etiketten zunehmend als messbares Kriterium kommuniziert, da sie den Lösemittelverbrauch in der Wertschöpfungskette direkt reduziert. Relevant ist in diesem Zusammenhang auch die Norm DIN 16526, die Eigenschaften von Druckfarben im Hoch- und Flachdruck regelt und deren Anforderungen auch beim Einsatz lösemittelfreier Systeme zu berücksichtigen sind.