Lumineszenzpigmente und UV-reaktive Farben sind Spezialfarbstoffe oder -pigmente, die durch UV-Strahlung oder anderes energiereiches Licht angeregt werden und dabei sichtbares Licht aussenden, ohne sich merklich zu erwärmen – ein Effekt, den die Wissenschaft als Lumineszenz oder „kaltes Leuchten“ bezeichnet. Je nach Nachleuchtdauer unterscheidet man fluoreszierende Stoffe, deren Emission nach spätestens einem Tausendstel Sekunde erlischt, von phosphoreszierenden Stoffen, die von Sekundenbruchteilen bis hin zu Monaten nachleuchten.
Im Druckprozess lassen sich zwei grundlegende Anwendungsrichtungen unterscheiden. Tagesleuchtfarben nutzen fluoreszierende Pigmente – erhältlich etwa in Blau, Grün, Orange oder Flammrot –, die durch den natürlichen UV-Anteil des Sonnenlichts angeregt werden und extrem intensive, neonfarbige Eindrücke erzeugen. Davon abzugrenzen sind UV-Lumineszenzfarben, auch Schwarzlichtfarben genannt: Sie sind im normalen Tageslicht nahezu transparent oder unauffällig und werden erst unter einer UV-Lichtquelle, etwa einem Schwarzlichtgerät oder einem Geldscheinprüfer, deutlich sichtbar. Für die technische Umsetzung in der Druckmaschine ist entscheidend, dass UV-reaktive Farben keine Lösemittel enthalten, sondern auf speziellen Bindemittelsystemen – häufig Acrylaten – basieren, die unter UV-Bestrahlung schnell polymerisieren. Die Druckanlage muss dazu mit UV-Lampen oder UV-LED-Modulen ausgestattet sein. Eingesetzt werden diese Farben im Siebdruck, Offsetdruck, Flexodruck und Digitaldruck.
Für den Etikettendruck ergeben sich daraus zwei wesentliche Einsatzfelder. Erstens der Sicherheits- und Fälschungsschutz: UV-Sicherheitslacke oder -farben, die ausschließlich unter Schwarzlicht sichtbar werden, lassen sich als verdeckte Markierung auf Etiketten, Produktkennzeichnungen oder Dokumente aufbringen. Solche Merkmale werden in der industriellen Kennzeichnung auch maschinell unter UV-Beleuchtung gelesen oder geprüft, etwa als Authentizitätsnachweis oder Prüfsiegel. Zweitens der Werbe- und Effektbereich: Etiketten mit fluoreszierenden Tagesleuchtpigmenten fallen im Regalumfeld durch ihre Neonoptik stark auf; Etiketten mit Schwarzlichtfarben kommen gezielt in Umgebungen mit UV-Beleuchtung zum Einsatz, etwa bei Events oder in der Gastronomie.
Hersteller von Etiketten müssen bei der Verarbeitung UV-reaktiver Farben sowohl die Maschinenausstattung als auch die Materialwahl sorgfältig abstimmen. Viskosität, Verdruckbarkeit und Reinigungsanforderungen unterscheiden sich von konventionellen Farben. Darüber hinaus ist die Lichtechtheit ein kritischer Qualitätsparameter: Da UV-Strahlung Druckfarben ausbleichen kann, wird sie nach DIN 16525 geprüft und auf der achtstufigen Wollskala gemäß ISO 2835-1974 klassifiziert. Für Etiketten im Außenbereich ist eine ausreichend hohe Lichtechtheitsstufe Voraussetzung für dauerhafte Farbwirkung.