Nassfestes Papier ist ein speziell ausgerüstetes Etikettenpapier, dessen mechanische Festigkeit auch im durchnässten Zustand weitgehend erhalten bleibt. Es löst sich bei längerem Wasserkontakt nicht auf, zerfasert nicht und behält seine Reißfestigkeit – Eigenschaften, die durch Imprägnierung des Papiers, häufig mit speziellen Harzen, sowie durch einen beigemischten Synthesefaseranteil erzielt werden.
Im Etikettendruck wird nassfestes Papier als Obermaterial eingesetzt und bildet damit die oberste Schicht eines Etiketts, unter der sich Klebstoffschicht und Trägermaterial befinden. Typische Flächengewichte liegen zwischen 70 und 140 g/m², wobei konkrete Produkte wie das für Glasflächen ausgelegte Flaschenetikettenpapier „bottlepaper 090″ mit einer Grammatur von 95 g/m² nach ISO 536 spezifiziert werden. Solche Produkte können zudem bis zu 100 °C dauerhaft temperaturbeständig sein, was ihren Einsatz in heißen Reinigungsbädern ermöglicht. Nassfestes Etikettenpapier ist je nach Ausführung ungestrichen oder gestrichen, holzhaltig oder holzfrei erhältlich und lässt sich mit gängigen Etikettendruckverfahren – darunter Flexo-, Offset- und Digitaldruck – bedrucken. Bei besonders glatter Oberfläche kommt auch Thermotransferdruck in Betracht.
Für den Etikettendruck ist die Materialeigenschaft Nassfestigkeit aus mehreren Gründen praxisrelevant. Das klassische Einsatzgebiet sind Flaschen- und Getränkeetiketten: Beim industriellen Flaschenwaschen durchlaufen Mehrweggebinde Reinigungsbäder, in denen die Etiketten vollständig und in einem Stück entnommen werden müssen. Löst sich das Papier auf, gelangen Fasern und Papierfragmente in den Waschprozess und können Anlagen verschmutzen oder Störungen verursachen. Nassfestes Papier verhindert genau das. Darüber hinaus sind Anwendungen im Kühlbereich relevant: Etiketten auf gekühlten Flaschen oder Produkten im Eiskühler sind Kondenswasser ausgesetzt; herkömmliches Papier ohne Nassfestausrüstung würde aufquellen, die Lesbarkeit verlieren oder sich ablösen. Wer als Hersteller oder Abfüller Etiketten für feuchte Umgebungen spezifiziert, muss nassfestes Papier deshalb als eigenständige Materialkategorie berücksichtigen und es von Standard-Papieretiketten klar abgrenzen. Für Einkäufer bedeutet das konkret: Die Angabe „nassfest“ im Materialdatenblatt, belegt durch Kenngrößen wie Grammatur, Nassfestigkeit und Temperaturbeständigkeit, ist ein technisches Auswahlkriterium, das über die bloße Optik des Etiketts hinausgeht und die Prozesssicherheit in Reinigung, Kühlung und Recycling direkt beeinflusst.