Ein No-Read (deutsch: Fehlscan) bezeichnet im Bereich der Barcode- und RFID-Kennzeichnung einen Datenträger – also ein Barcode-Etikett oder einen RFID-Tag –, der von einem Lesegerät nicht ausgelesen werden kann und damit keinen verwertbaren Identifikationsvorgang liefert. Der Begriff beschreibt sowohl den vollständigen Ausfall der Lesbarkeit als auch den Fall, dass entzifferter Inhalt nicht dem tatsächlichen Code entspricht und das Objekt damit als falsch identifiziert gilt.
In der Praxis tritt ein No-Read überall dort auf, wo maschinenlesbare Etiketten automatisiert verarbeitet werden. In Paketzentren beispielsweise erkennen automatische Sortieranlagen, wenn ein Versandetikett mit Strichcode nicht gescannt werden kann. Das betroffene Paket wird daraufhin aus dem automatischen Sortierprozess ausgeschleust, ein Mitarbeiter liest die Paketnummer manuell und druckt ein neues Etikett, das über das unlesbare Label geklebt wird. In der industriellen Bildverarbeitung und Qualitätskontrolle signalisieren Kamerasysteme einen No-Read-Status, sobald ein Code auf einem gedruckten Etikett keine gültigen Daten liefert – das Objekt wird dann aussortiert und nachgearbeitet. RFID-Lesegeräte klassifizieren einen Artikel ebenfalls als No-Read, wenn keine zuverlässige Kommunikation mit dem Tag möglich ist. Als Ursachen für Fehlscans gelten unter anderem Mängel im Barcode-Druck, ungünstige Beleuchtungsverhältnisse beim Scannen, ein falscher Scanabstand sowie verschmutzte oder beschädigte Etiketten.
Für den Etikettendruck ist das Thema No-Read unmittelbar relevant, weil die Druckqualität eines Codes direkt über seine Maschinenlesbarkeit entscheidet. Schärfe, Kontrast und die korrekte Darstellung der einzelnen Code-Module sind entscheidende Parameter, die durch die Wahl des Druckverfahrens und des Materials beeinflusst werden. Für variable Barcodes und Logistiketiketten kommt häufig der Thermotransferdruck zum Einsatz, da er die nötige Druckpräzision für maschinenlesbare Codes bietet. Statische Layoutelemente werden ergänzend im Flexo-, Digital- oder Siebdruck vorgedruckt. Neben dem Druckverfahren spielt auch die Materialwahl eine Rolle: Etiketten müssen den Einsatzbedingungen in Förderanlagen standhalten, also Verschmutzung, wechselnden Lichtverhältnissen und mechanischer Beanspruchung widerstehen, ohne dass die Lesbarkeit des Codes darunter leidet. Hersteller von Etiketten und kennzeichnenden Systemen müssen No-Reads als Qualitätskriterium am Ende der Druck- und Aufbringungskette berücksichtigen. Käufer und Anwender – etwa in Logistik oder Industrie – sind gut beraten, beim Aufbau ihrer Kennzeichnungssysteme Fehlerbehandlungsstrategien einzuplanen: Ausschleusungsmechanismen, Nachdrucklösungen und manuelle Kontrollpunkte sichern die Prozessstabilität, wenn trotz hochwertiger Etiketten ein No-Read auftritt.