PIR

PIR steht im Kontext des Etikettendrucks für „Post-Industrial Rezyklat“ (englisch: Post-Industrial Recycled) und bezeichnet Kunststoffe oder andere Materialien, die als Produktionsabfälle im industriellen Prozess anfallen, gesammelt und zu neuen Folien oder Etikettenmaterialien aufbereitet werden. Entscheidend ist dabei, dass diese Abfälle – etwa Randbeschnitte oder Ausschuss aus der Folienproduktion – entstehen, bevor das Material überhaupt einen Endverbraucher erreicht. PIR wird in der Nachhaltigkeitskommunikation regelmäßig zusammen mit PCR (Post-Consumer Rezyklat) genannt, wobei PIR den innerbetrieblichen und industriellen Recyclingkreislauf beschreibt, während PCR Materialien bezeichnet, die nach dem Gebrauch beim Endkunden zurückgewonnen werden.

Technisch werden PIR-Materialien im Rahmen der Folienextrusion verarbeitet: Recyceltes Granulat aus industriellen Abfällen wird erneut extrudiert, gegebenenfalls co-extrudiert und zu Etikettenfolien weiterverarbeitet. Die fertigen PIR-haltigen Folien können je nach Anwendung einen hohen oder sogar bis zu 100-prozentigen Anteil an Post-Industrial Rezyklat enthalten. Sie werden in klassischen Etikettenstrukturen eingesetzt, die aus Obermaterial, Klebstoffschicht und Trägermaterial bestehen, wobei die PIR-Folie das Obermaterial bildet. Ein wesentlicher praktischer Aspekt ist, dass diese Folien auf standardmäßigen Etikettendruck- und Etikettiermaschinen verarbeitet werden können und keine grundlegenden Prozessänderungen erfordern. Für die Druckverfahren – ob Flexodruck, Digitaldruck oder andere Rollenetikettendruck-Verfahren – gelten dieselben Abläufe wie bei konventionellen Etikettenfolien.

Für den Etikettendruck ist PIR aus mehreren Gründen relevant. Auf Materialseite ermöglichen PIR-Folien, den Einsatz von Primärkunststoffen zu reduzieren und Etikettenlösungen zu entwickeln, die einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten. Etikettenanbieter integrieren PIR-Materialien häufig in ein breiteres Portfolio nachhaltiger Lösungen, zu dem auch PCR-Folien und Folien aus nachwachsenden Rohstoffen wie „Green PE“ gehören. Für Einkäufer und Anwender von Etiketten bieten PIR-haltige Folien die Möglichkeit, den Materialfußabdruck zu senken und Nachhaltigkeitsziele in Berichten zu belegen – ohne Kompromisse bei optischen oder funktionalen Eigenschaften eingehen zu müssen. Etiketten mit PIR-Anteil finden Anwendung bei Produktetiketten auf Kunststoffverpackungen, Logistik- und Versandetiketten sowie industriellen Kennzeichnungen. Hersteller positionieren PIR auch als Baustein für CO₂-reduzierte Etikettenlösungen, wobei spezifische technische Normen, die PIR in Etikettenmaterialien gesondert regeln, bislang nicht existieren – der Begriff wird vielmehr in den Rahmen allgemeiner Recycling- und Nachhaltigkeitsstandards eingeordnet.