Pulklesung / Pulkerfassung

Pulklesung – auch Pulkerfassung, Bulk-Erfassung oder Mehrfacherkennung genannt – bezeichnet die gleichzeitige, automatisierte Erfassung mehrerer mit RFID-Tags gekennzeichneter Objekte in einem einzigen Lesevorgang. Statt jedes Etikett einzeln zu scannen, erfasst ein Lesegerät alle Transponder im Funkfeld auf einmal. Damit ist Pulklesung kein Etikettenmaterial, sondern ein Leseverfahren, das spezifische Anforderungen an die eingesetzten Etiketten stellt.

Technisch funktioniert die Pulkerfassung über RFID-Lesegeräte, die mehrere Transponder gleichzeitig im gemeinsamen Lesefeld ansprechen. Da dabei viele Tags gleichzeitig antworten, kommen Antikollisions-Algorithmen zum Einsatz, die Signalkollisionen erkennen und auflösen. In der Praxis werden häufig stationäre RFID-Gates mit UHF-Technologie eingesetzt: Beim Durchfahren eines Gates werden komplette Warengruppen oder Paletten identifiziert, ohne dass ein manueller Einzelscan erforderlich ist. Eine Weiterentwicklung ist die fehlertolerante RFID-Pulklesung, bei der Packstückdaten auf mehrere Transponder einer Ladeeinheit verteilt werden. Spezielle Algorithmen ermöglichen es, die Informationen auch dann zu rekonstruieren, wenn einzelne Tags zerstört, entfernt oder nicht auslesbar sind – ein Konzept, das Fraunhofer IML als „virtuellen Lieferschein“ beschreibt.

Für den Etikettendruck ist die Pulklesung in mehrfacher Hinsicht relevant. Zunächst auf Materialebene: Ein für Pulkerfassung geeignetes Etikett besteht aus einem Trägermaterial mit Klebeschicht sowie einem integrierten RFID-Transponder aus Mikrochip und Antenne. Die Antennengeometrie spielt dabei eine entscheidende Rolle – benachbarte Tags im Pulk können sich gegenseitig beeinflussen und die Lesegenauigkeit reduzieren. Durch asymmetrische Antennenformen und eine optimierte Positionierung des Etiketts lässt sich diese Kopplung minimieren und die Ausleserate auf bis zu 100 Prozent der erfassbaren Gebinde steigern. Etikettenentwickler und -hersteller müssen diese Wechselwirkungen bereits bei der Layoutgestaltung berücksichtigen. Auf der Prozessseite erfordert Pulklesung Etikettendruck- und Kodiersysteme, die RFID-Etiketten in einem Arbeitsgang drucken und den Chip programmieren, sowie Applikationssysteme, die eine reproduzierbare Positionierung auf dem Trägerobjekt sicherstellen. Für Anwender in Lager und Logistik ergibt sich daraus ein messbarer Nutzen: Ganze Warengruppen werden fehlerfrei und ohne manuellen Aufwand erfasst, was die Zuverlässigkeit der Bestands- und Sendungsdaten erhöht. Wer RFID-Etiketten für pulklesefähige Umgebungen beschafft, muss daher nicht nur auf Druckqualität achten, sondern auch auf Transponder-Typ, Antennendesign, Etikettenpositionierung und die Kompatibilität mit den eingesetzten UHF-Lesegeräten.