Eine Rakel ist ein mechanisches Abstreifelement im Druckprozess, das Druckfarbe oder andere Medien kontrolliert auf einer Druckform oder Walzenoberfläche verteilt und überschüssiges Material präzise entfernt. Je nach Druckverfahren übernimmt die Rakel dabei unterschiedliche Funktionen: Im Siebdruck drückt sie Farbe durch die offenen Maschen des Gewebes auf den Bedruckstoff, im Flexodruck zieht sie überschüssige Farbe von der Rasterwalze ab.
Im Siebdruck und Rotationssiebdruck für Etiketten wird die Farbe in das Innere der rotierenden zylindrischen Siebe eingegeben; die Rakel drückt sie von innen durch die offenen Maschen auf das Substrat. Die Trocknung erfolgt dabei häufig per UV-Härtung oder Infrarot-Trocknung. Als Werkstoff für Rakelgummis im rotativen Siebdruck werden in der Praxis Polyurethan-Rakelgummis (DIN-Kurzzeichen: PUR) eingesetzt, typischerweise in Shore-Härtebereichen von 55–60, 65–70 oder 70–75 Shore. Die Wahl der Härte beeinflusst dabei unmittelbar, wie viel Farbe durch das Sieb gedrückt wird und welche Druckqualität entsteht.
Im Flexodruck, der im Schmalbahndruck und bei der Etikettenproduktion weit verbreitet ist, kommt häufig ein Kammerrakelsystem zum Einsatz. Dieses System besteht aus einer Rakelkammer, einer Rasterwalze und einer Pumpe zur kontinuierlichen Farbversorgung. Innerhalb der Kammer arbeiten zwei Rakeln mit unterschiedlichen Aufgaben zusammen: Die Arbeitsrakel entfernt überschüssige Farbe von der Rasterwalze und sorgt so für eine gleichmäßige Farbübertragung auf die Druckform. Die Schließrakel – auch Schlepprakel genannt – dichtet die Rakelkammer nach außen ab und verhindert, dass Farbe unkontrolliert austritt. Dieses geschlossene System trägt zu präzisen Druckergebnissen und weniger Materialabfall bei.
Für Hersteller und Käufer von Etiketten ist die Rakel ein zentrales Element, das direkten Einfluss auf Farbauftrag, Druckqualität und Prozessstabilität hat. Im Rotationssiebdruck ermöglicht der Rakel einen hohen Farbauftrag mit brillanten Farben und hoher Deckkraft – ein Vorteil bei anspruchsvollen Etikettenanwendungen, bei denen Leuchtkraft oder Opazität gefordert sind. Im Flexodruck bestimmt das Kammerrakelsystem die Gleichmäßigkeit der Farbversorgung und damit die Reproduzierbarkeit über lange Auflagen. Für die Auswahl eines Druckverfahrens bedeutet das konkret: Die Rakel-Technologie entscheidet maßgeblich darüber, welcher optische Eindruck, welche Deckkraft und welche Wiederholgenauigkeit bei einem Etikett erzielt werden können.