Flankenwinkel und Gravurtiefe sind zwei geometrische Kenngrößen der Näpfchen-Gravur auf einer Rasterwalze (Aniloxwalze) und beschreiben zusammen mit der Lineatur das Farbvolumen, das diese Walze je Umdrehung speichern und übertragen kann. Der Flankenwinkel bezeichnet dabei den Winkel der Seitenwände jeder einzelnen Zelle, die Gravurtiefe deren Tiefe in Mikrometer. Beide Parameter bestimmen gemeinsam das Napfvolumen – also die Menge an Druckfarbe oder Lack, die in den Vertiefungen der Walzenoberfläche Platz findet.
Im Flexodruck übernimmt die Rasterwalze die Aufgabe, eine konstante und definierte Farbmenge in den Druckprozess einzubringen. Im Kammerrakelsystem wird die Walze mit Farbe befüllt, eine Rakel streift den Überschuss von der Oberfläche ab, und es verbleibt ausschließlich die Farbe in den gravierten Näpfchen. Diese genau dosierte Menge wird anschließend auf die Flexodruckplatte und von dort auf den Bedruckstoff übertragen. Die Zellgeometrie – also das Zusammenspiel von Flankenwinkel und Gravurtiefe – entscheidet dabei unmittelbar darüber, wie viel Farbe bei diesem Vorgang tatsächlich weitergegeben wird. Rasterwalzen werden entweder mit einer Chromoberfläche oder, für feinere Rasterfeinheiten bis 500–600 L/cm, mit einer Keramikbeschichtung gefertigt. Ein verbreitetes Gravurmuster ist die hexagonale 60°-Gravur, die als geschlossenes Standardraster im Flexodruck gilt.
Für den Etikettendruck – insbesondere im Schmalbahn-Flexodruck für Selbstklebeetiketten – ist die exakte Abstimmung von Flankenwinkel und Gravurtiefe auf das jeweilige Druckmotiv und den Bedruckstoff entscheidend. Geringe Gravurtiefen in Kombination mit hoher Lineatur eignen sich für feine Rasterabstufungen und detailreiche Grafiken, wie sie in der Etikettierung häufig gefordert werden. Größere Tiefen liefern höhere Volumina und werden etwa für deckende Vollflächen, Weißunterdruck oder Lackierungen eingesetzt. Eine speziell für den Weißdruck ausgelegte 60°-Gravur mit hoher Flächendeckung verdeutlicht, wie eng die Zellgeometrie mit konkreten Etikettenanforderungen verknüpft ist. Eine falsch gewählte Gravur führt zu unzureichender Deckkraft, ungleichmäßiger Farbdichte oder Tonwertfehlern – direkte Qualitätsmängel, die Makulatur erzeugen und die Produktionseffizienz senken. Flankenwinkel und Gravurtiefe sind in der Praxis keine genormten Festwerte, sondern werden hersteller- und anwendungsspezifisch festgelegt. Die Wahl richtet sich nach Bedruckstoff, Druckfarbe oder Lack, gewünschtem Volumen und Druckgeschwindigkeit.