Der Gravurwinkel einer Rasterwalze bezeichnet den Winkel, unter dem die Näpfchen oder Linien in der Keramik- oder Chromoberfläche der Walze geometrisch angeordnet sind. Zusammen mit Zellenform, Rasterweite und Volumen bestimmt er, wie viel Farbe oder Lack die Walze aufnimmt und an die Druckplatte abgibt. Im Flexodruck sind die gebräuchlichsten Gravurwinkel 60°, 75° und 45°, jeweils in Kombination mit unterschiedlichen Zellformen.
Die Rasterwalze – auch Aniloxwalze genannt – sitzt im Farbwerk einer Flexodruckmaschine und wird über ein Kammerrakelsystem befüllt. Die Rakel streift überschüssige Farbe von der Oberfläche ab, sodass nur die exakt dosierte Menge in den gravierten Vertiefungen verbleibt. Diese Menge wird anschließend auf die Flexodruckplatte und von dort auf das Substrat übertragen. Die vier im Etikettendruck verbreiteten Gravurtypen unterscheiden sich dabei deutlich in Funktion und Einsatzgebiet: Die hexagonale 60°-Gravur gilt als Industriestandard und bietet eine ausgewogene Farbübertragung für ein breites Anwendungsspektrum, von feinen Rastern mit hoher Linienzahl bis hin zu niedrigen Rasterungen mit hohem Volumen. Die elongated 75°-Gravur weist gestreckte, unter 75° orientierte Zellen auf; sie kombiniert hohe Linienzahlen mit hohem Volumen und ermöglicht gegenüber Standardgravuren einen um bis zu etwa 30 Prozent erhöhten Farbauftrag im HD-Flexodruck, was sie besonders für Vollflächen, Texte, Linien und mechanische Farbtöne empfiehlt. Die Haschur-45°-Gravur besteht aus linienförmigen statt isolierten Zellstrukturen und erweitert den Gravurbereich für Vollflächendruck und Beschichtung mit einem sehr guten Übertrag, etwa bei weißen Flächen. Die Kreuz-Haschur-45°-Gravur kombiniert sich kreuzende Linienstrukturen zu einer offenen, gitterartigen Struktur, die für die Übertragung großer Farbmengen oder hochviskoser Medien wie Leim geeignet ist.
Für den Etikettendruck ist die Wahl des Gravurwinkels unmittelbar entscheidend für Druckqualität und Reproduzierbarkeit. Eine zu geringe oder ungleichmäßige Farbmenge erzeugt inhomogene Vollflächen, mangelnde Deckkraft bei Weiß oder Tonwertschwankungen in Rasterpunkten – Fehler, die direkt auf die optische Qualität des fertigen Etiketts durchschlagen. Etikettenhersteller müssen Gravurart und Gravurwinkel daher gezielt auf Druckmotiv, Bedruckstoff und gewünschten Farbauftrag abstimmen. Da im Etikettendruck häufig schmale Bahnen und hohe Druckgeschwindigkeiten gefordert sind, werden für diesen Bereich auch besonders leichte Rasterwalzen angeboten. Keramikwalzen erlauben dabei Rasterfeinheiten von bis zu mehreren hundert Linien pro Zentimeter und sind damit für hochwertige, detailreiche Etiketten besonders geeignet. Für den Käufer von Etiketten bedeutet die korrekte Gravurauswahl letztlich konstante Farbgebung über Chargen hinweg sowie eine gleichbleibend hohe optische Qualität.