Die spektrale Remissionskurve beschreibt den wellenlängenabhängigen Verlauf des Remissionsgrads einer Oberfläche – also wie stark ein Körper einfallendes Licht bei jeder einzelnen Wellenlänge zurückwirft. Der spektrale Remissionsgrad β(λ) ist dabei eine charakteristische Stoffeigenschaft: Er gibt das Verhältnis des von einer Probe reflektierten Strahlungsflusses zum Reflexionsverhalten eines definierten Weißstandards unter gleicher Beleuchtung an. Remission unterscheidet sich von gerichteter Reflexion dadurch, dass das Licht diffus zurückgeworfen wird und sich dabei die wahrgenommene Lichtfarbe verändern kann.
Zur Messung der spektralen Remissionskurve werden Spektrometer eingesetzt, die den Strahlungsfluss über das gesamte sichtbare Wellenlängenspektrum erfassen. Als Referenz dient ein Weißnormal, dessen Reflexionsverhalten als Ausgangsbasis für die Auswertung herangezogen wird. Im Ergebnis zeigt die Kurve für jede Wellenlänge, welcher Anteil des Lichts von der Probe remittiert wird. Ideale Farben – etwa ein ideales Cyan, Magenta oder Gelb – würden einen definierten Wellenlängenbereich vollständig remittieren und den Rest vollständig absorbieren. Reale Druckfarben weichen davon ab: Ihre Kurven verlaufen fließend und unregelmäßig, was zu messbaren Unterschieden zwischen angestrebter und tatsächlicher Farbe führt. Die einheitliche Beschreibung und Vergleichbarkeit von Farben erfolgt im Rahmen des CIE-Normvalenzsystems von 1931, das Farbwerte über die Maßzahlen X, Y und Z unter Berücksichtigung einer definierten Normlichtart und eines Normalbeobachters festlegt. Geräteübergreifendes Farbmanagement stützt sich zusätzlich auf Spezifikationen des International Color Consortium (ICC).
Für den Etikettendruck ist die spektrale Remissionskurve ein grundlegendes Werkzeug der Farbmessung und Farbcharakterisierung. Die wahrgenommene Farbe eines bedruckten Etiketts hängt nicht allein von der eingesetzten Druckfarbe ab, sondern auch von den spektralen Eigenschaften des Substrats und der jeweiligen Beleuchtungssituation. Unterschiedliche Materialien – Papier, Folie, beschichtete oder unbeschichtete Träger – remittieren Licht unterschiedlich stark und beeinflussen damit das Messergebnis. Farbmanagement im Druck setzt deshalb voraus, dass Material, Druckfarbe und Substrat gemeinsam betrachtet werden. Für Hersteller von Etiketten bedeutet das konkret: Spektrale Messdaten ermöglichen eine reproduzierbare Farbbeurteilung und helfen, Abweichungen zwischen Chargen, Anlagen oder Produktionszeitpunkten frühzeitig zu erkennen. Für Einkäufer und Qualitätssicherung ist relevant, dass visuelle Farbunterschiede zwischen Etikettenlieferungen auch dann auftreten können, wenn die verwendete Druckfarbe identisch ist – nämlich dann, wenn sich die spektralen Eigenschaften des Substrats oder die Beleuchtungsbedingungen in der Endanwendung unterscheiden.