Roll-on-Applikator

Ein Roll-on-Applikator ist ein Etikettenapplikator, bei dem das Etikett über eine oder mehrere rotierende Rollen beziehungsweise Walzen unter Anpressdruck von der Trägerbahn auf die Produktoberfläche aufgewalzt wird. Der Auftrag erfolgt flächig durch die Rollbewegung und ist damit ein kontaktbehaftetes, reibschlüssiges Verfahren – im Unterschied zu Stempel- oder Blasapplikatoren. Roll-on-Applikatoren gehören zur Gruppe der linear arbeitenden Etikettenapplikatoren mit einem definierten Zylinder- oder Rollenarbeitsbereich.

Technisch funktioniert das Verfahren so: Das selbstklebende Etikett wird an einer Spendekante von der Trägerbahn gelöst und unmittelbar anschließend über eine Andruck- oder Aufwalzrolle – meist gummiert oder beschichtet – auf das Produkt übertragen. Entscheidend ist dabei die Synchronisation zwischen der Produktbewegung und der Drehung der Rolle, denn nur ein exakt abgestimmter Bewegungsablauf verhindert Falten oder Blasen unter dem Etikett. Eingesetzt werden Roll-on-Applikatoren vor allem bei zylindrischen Produkten wie Flaschen, Dosen oder anderen Rundgebinden, wo das Etikett entlang der Mantelfläche aufgebracht wird. Halbautomatische Geräte wie der DWR ROUND drehen das Produkt, während eine Rolle das Etikett aufbringt; vollautomatische Inline-Systeme mit Zylinderarbeitsbereichen von beispielsweise 250 bis 1.250 mm ermöglichen eine stufenlose Etikettierung im laufenden Fertigungsbetrieb. In Print-and-Apply-Systemen, etwa dem Druckapplikator BSP61, wird der Roll-on-Mechanismus direkt mit einem Thermotransfer- oder Thermodirektdruckwerk kombiniert, sodass variable Daten wie Barcodes, 2D-Codes oder Versandinformationen just-in-time aufgedruckt und sofort appliziert werden.

Für den Etikettendruck hat die Roll-on-Applikation konkrete Konsequenzen bei der Etikettenentwicklung und -beschaffung. Etiketten müssen in Rollenform mit applikatorkompatiblen Rollen- und Kerndurchmessern geliefert werden. Die Materialauswahl ist entscheidend: Für die Rund- und Rollapplikation braucht es Etiketten mit passender Flexibilität, damit sie sich falten- und blasenfrei um die Behälteroberfläche legen, sowie Klebstoffe mit ausreichender Haftung auf dem jeweiligen Substrat – ob Glas, Kunststoff oder Metall. Auch Steifigkeit und Liner-Material beeinflussen, ob ein Etikett zuverlässig an der Spendekante abgelöst und sauber übergeben wird. Das Format und das Layout des Etiketts, insbesondere die Positionierung von Barcodes und Pflichtangaben, müssen auf die mechanische Applikatorbahn abgestimmt sein, damit Codes maschinell lesbar bleiben. Wer Print-and-Apply-Systeme mit Roll-on-Mechanismus betreibt, reduziert zudem die Notwendigkeit, vorgedruckte Etiketten auf Vorrat zu halten, da variable Daten erst beim Applizieren erzeugt werden. Roll-on-Applikatoren unterliegen als industrielle Maschinen der EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, während die aufgebrachten Etiketten je nach Produktbereich den einschlägigen Kennzeichnungsvorschriften – etwa der EU-Lebensmittelinformationsverordnung oder der CLP-Verordnung – entsprechen müssen.