Sauerstoffbarriere

Eine Sauerstoffbarriere ist eine Schicht oder Beschichtung in einem Material, die verhindert oder stark einschränkt, dass Sauerstoff durch dieses Material diffundiert. Im Kontext von Etiketten und Verpackungen ist sie eine funktionale Komponente, deren Leistungsfähigkeit über den sogenannten Oxygen Transmission Rate (OTR) gemessen wird – also die Menge an Sauerstoff, die pro Fläche und Zeiteinheit durch das Material hindurchtritt, angegeben etwa in cm³/(m²·Tag·bar). Grundsätzlich gilt: Je niedriger der OTR-Wert, desto wirkungsvoller die Barriere.

Die Barriereleistung hängt von mehreren Faktoren ab: der Materialart und -struktur, der Schichtdicke sowie den Umgebungsbedingungen wie Temperatur und relativer Luftfeuchte. Als Barrierematerialien kommen im Etiketten- und Verpackungsbereich vor allem drei Typen zum Einsatz. EVOH (Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer) wird als dünne Funktionsschicht von typischerweise 2–10 µm in Verbundfolien eingesetzt und liefert eine sehr hohe Sauerstoffbarriere, die jedoch mit steigender Luftfeuchtigkeit abnimmt. Polyvinylalkohol (PVOH) eignet sich für wasserbasierte Barrierebeschichtungen und gilt aufgrund seiner Wasserstoffbrücken und Kristallstruktur als besonders effektiver Sauerstoffsperrschutz; für Lebensmittelverpackungen ist er sowohl nach BfR als auch nach FDA zugelassen. ALOx (Aluminiumoxid) wird im Vakuum auf Kunststofffolien aufgedampft und erzeugt eine transparente Hochbarriere gegen Sauerstoff und Feuchtigkeit. Für die Aufbringung von Barrierebeschichtungen werden Verfahren wie Filmpresse, Blade Coater oder Curtain Coater eingesetzt; für ALOx kommen Vakuum-Beschichtungsanlagen zum Einsatz.

Für den Etikettendruck ist die Sauerstoffbarriere vor allem dort relevant, wo Etikett und Packstoff gemeinsam die Barriereleistung bestimmen. Ein praxisrelevantes Beispiel sind IML-Barriereetiketten (In-Mould-Labeling): Hier wird eine EVOH-Schicht in die IML-Folie integriert, sodass das Etikett selbst zur Reduzierung der Sauerstoffdurchlässigkeit der gesamten Verpackung beiträgt – messbar über den OTR-Wert der fertigen Verpackungseinheit. Darüber hinaus werden Barrierepapiere eingesetzt, die neben Wasserdampf- und Fettbarriere optional auch eine Sauerstoffbarriere bieten und im flexiblen Verpackungs- und Etikettendrucksegment Anwendung finden. Für Etikettenhersteller bedeutet das konkret: Beschichtungs-, Kaschier- und Druckprozesse müssen mit den jeweiligen Barrierematerialien kompatibel sein. Zudem beeinflussen Design-for-Recycling-Leitlinien die Materialauswahl – für EVOH gilt etwa eine Obergrenze von maximal 5 % am Strukturgewicht, um die Recyclingfähigkeit des Verbunds zu erhalten. Käufer von Barriereetiketten profitieren von verbesserter Produkthaltbarkeit bei sauerstoffempfindlichen Füllgütern sowie von der Möglichkeit, transparente Verpackungslösungen mit hohem Sauerstoffschutz zu realisieren.